Berlin - Nach einer Erkrankung der Psyche in den Job zurückzukehren, ist nicht immer leicht. Manchmal aber kann es Betroffenen sogar helfen. Denn der Berufsalltag gibt Struktur zurück.

Ein gut strukturierter Alltag hilft Menschen mit einer psychischen Erkrankung oft, besser mit der Krankheit zurechtzukommen. Daher könne es sinnvoll sein, wenn sie nach einer erfolgreichen Behandlung schnell wieder ihre alte Arbeit aufnehmen, erläutert Prof. Steffi Riedel-Heller von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Der durch den Job vorgegebene regelmäßige Tagesablauf stabilisiere die Patienten, weil dies ihr Selbstwertgefühl stärke. Außerdem profitierten sie von den sozialen Kontakten bei der Arbeit.

Da der Wiedereinstieg nicht immer leicht ist, hält die Expertin ein stufenweises Vorgehen nach dem sogenannten
Hamburger Modell für ratsam. Das setze allerdings die Bereitschaft des Arbeitgebers voraus, daran mitzuwirken - weil es ein freiwilliges Angebot ist. Manchmal sei es auch sinnvoll, wenn der betroffene Mitarbeiter erstmal nicht wieder im Schichtdienst arbeitet oder keinen direkten Kontakt zu Kunden aufnehmen muss. Außerdem gelte es zu klären, inwieweit die Kollegen eingebunden werden sollten.


Nicht immer sind die Patienten allein in der Lage, zu erkennen, wie viel Kraft sie haben, um den Arbeitsalltag zu bewältigen. Dann ist es Riedel-Heller zufolge ratsam, dass der behandelnde Facharzt den Betroffenen beim Wiedereinstieg begleitet. Manchmal könne zum Beispiel Unterstützung nötig sein, weil die kognitiven Fähigkeiten und das Zeitmanagement trotz erfolgreicher Behandlung noch beeinträchtigt sind. Außerdem sei es wichtig, dass die Patienten wahrnehmen, wenn bestimmte Situationen sie belasten oder sich ein Wiederaufbrechen der Erkrankung ankündigt.