Köln - Technik und Akrobatik ist bei diesem Sport gefragt. Bouldern entwickelt sich zum aktuellen Trend für Freizeitsportler. Klettern auf kurzen Strecken - ohne Sicherung. Aber wer fällt, fällt weich.

Es riecht nach Schweiß in der nur wenige Meter hohen Sporthalle. Dutzende Kletterer hangeln sich an bunten Griffen an einer Wand entlang. Feines Magnesium liegt in der Luft. Zum Bouldern - Klettern ohne Seil und Sicherung - sprießen in ganz Deutschland derzeit die Hallen aus dem Boden. Nicht ein einziges Seil sieht man dort. Vor fünf Jahren gab es etwa zehn Hallen quer durch die Republik - jetzt sind es rund 40, sagt Christoph Gabrysch, Experte vom Deutschen Alpenverein (DAV). In Frankfurt und Regensburg gibt es bereits Boulder-Hallen mit mehr als 1000 Quadratmeter Kletterfläche. "Es ist einfach, braucht wenig Anweisung und Equipment. Große Vorerfahrung ist nicht nötig", sagt Gabrysch.

Wenn Klettermax Andi Scheid an der Wand hangelt, verharren die Blicke seiner Mitstreiter auf seinem Körper. Der 32-Jährige mit dem definierten Brustkorb und Dreadlocks am Hinterkopf ist Physiotherapeut und gleichzeitig sogenannter Routensetzer in einer Boulder-Halle in der Kölner Südstadt. Hier montiert er die ständig wechselnden Boulder-Strecken an die Wand, um Kletterern immer wieder neue Herausforderungen zu bieten.

"Das Routensetzen ist eigentlich aus dem Hobby entstanden und jetzt mein Nebenjob", sagt Scheid. Minutenlang kann er an einer Stelle abhängen und schafft die schwierigsten Strecken bis zum finalen Griff. Die Muskeln in seinen Unterarmen pumpen sich dabei so stark auf, dass sich einzelne Gefäße abzeichnen. Im Vergleich zum Klettern mag er am Bouldern (englisch für Felsblock), dass es "kurz und knackig" ist.

In die Kölner Boulder-Halle kommen nicht nur Kletterfreaks. "Es braucht natürlich eine gewisse Kraft, aber die baut man schon nach kurzer Zeit auf", sagt Helge Düselder, der die Halle zusammen mit einem Freund eröffnet hat. Für viele Gäste sei es ein besonders guter Ausgleich zur Arbeit, sie kämen direkt nach Feierabend in die Halle.

Die Übung beginnt immer gleich: Der Boulderer setzt sich zunächst auf den Boden und klammert sich mit den Händen an die untersten Griffe. Dann gilt es, sich Zug für Zug hochzuziehen und am letzten Klettergriff unter der Decke anzukommen und sich dort drei Sekunden mit beiden Händen zu halten. Boulderer klettern in den Hallen auf bis zu vier Meter, immer auf Absprunghöhe mit Matten darunter.

"Es ist nicht nur ein harter, sondern auch sehr geselliger Sport", sagt Düselder. Wenn die Kraft nachlässt, faulenzen viele auf den Matten oder trinken zwischendurch auch schon mal ein Bierchen. In Köln hat sich eine ganze
Boulder-Gemeinschaft entwickelt, die eigene Wettkämpfe organisiert. Hochburg des Kletterns bleibt laut DAV aber München mit einer der größten Kletterhallen der Welt. Im Olympiastadion treffen sich die Sportler Ende August zur offiziellen Boulder-WM.


Risiken birgt der Sport dennoch: "Bei Absprüngen kann es im Fuß zu Bänderdehnungen oder einem Riss kommen", sagt Sportwissenschaftler Sven Böhme von der Deutschen Sporthochschule. Es könne auch zu Kahnbeinbrüchen in der Hand oder Verletzungen am Ringband kommen, erklärt sein Kollege Edwin Jakob. Beim Abspringen werden Knie und Rücken beansprucht. Positiv heben die beiden Experten hervor: "Bouldern bringt große Bewegungsfreude und schult die Körperwahrnehmung."