Marburg - Wer raucht, schiebt Husten und Atemnot meist auf die Zigaretten. Dass auch eine Lungenkrankheit dahinter stecken könnte, vermuten nur wenige. Betroffene werden daher oft erst behandelt, wenn die Hälfte ihrer Lungenfunktion für immer verloren ist.

Eine chronische Raucherbronchitis wird nach Einschätzung von Lungenärzten häufig nicht rechtzeitig erkannt. Einer britischen Studie zufolge wurde bei 85 Prozent derjenigen, die sich in den fünf Jahren vor der Diagnose mindestens einmal wegen Beschwerden der unteren Atemwege behandeln ließen, die Krankheit übersehen. Der Verband Pneumologischer Kliniken (VPK) geht davon aus, dass die Situation in Deutschland ähnlich ist. Viele Betroffene ließen sich erst behandeln, wenn die Hälfte ihrer Lungenfunktion für immer verloren sei.

Zwei Gründe nennt Thomas Voshaar, VPK-Vorsitzender und Chefarzt der Medizinischen Klinik III im Krankenhaus Bethanien Moers, dafür: Zum einen ignorierten die meisten Patienten die ersten Symptome der auch als
chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bezeichneten Krankheit. Chronischen Husten und stetig mehr Atemnot schöben sie auf das Rauchen und körperlichen Abbau im Alter. Zum anderen führten Ärzte zu selten eine einfache Lungenfunktionsprüfung durch, mit der sich die COPD gut diagnostizieren lasse. Je eher die chronische Krankheit festgestellt wird, desto besser lässt sie sich Voshaar zufolge unter Kontrolle halten.