Erfurt - Auch für Zecken war der zurückliegende milde Winter gemütlich: Ihrer Population hat er kaum etwas anhaben können. Daher ist jetzt Vorsicht geboten. Experten raten zu Impfungen gegen FSME.

Der milde Winter hat Zecken kaum etwas anhaben können. "Die Zeckensaison ist bereits in vollem Gange", sagte Jochen Süss vom Zecken-Informationszentrum Lippersdorf in Erfurt. Mit Blick auf die bundesweit hohe Zahl von Hirnhauterkrankungen nach Zeckenstichen im vergangenen Jahr rät Süss zu einem besseren Impfschutz. Besonders in Risikogebieten wie Baden-Württemberg, Bayern, Süd-Hessen, Süd-Thüringen, im Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz und im Saar-Pfalz-Kreis im Saarland bestehe im Freien für Ungeimpfte ein Risiko. Auch in Österreich, der Schweiz und im Baltikum besteht FSME-Gefahr. Bemerkbar macht sich eine Infektion unter anderem durch Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen.

Laut Robert Koch-Institut wurden für 2013 bisher 420 Fälle der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) registriert. Von 1990 bis 2012 wurden in Europa - ohne Russland - 65 572 Fälle von FSME bekannt. 241 Risikogebiete waren 2013 in Deutschland ausgewiesen, 1998 waren es 63.

"Beim Stich kann alles zu spät sein", sagte der Neurologe Andreas Steinbrecher vom Helios Krankenhaus Erfurt. Das FSME-Virus werde sofort übertragen - im Gegensatz zur Borreliose, bei der das Bakterium erst nach Stunden vom Darm des Wirtstieres in die Blutbahn des Menschen gelange. Auch deshalb sollten Zecken sofort entfernt werden. Bei der viel häufiger auftretenden Borreliose gibt es keinen Impfschutz, jedoch Medikamente nach einer Infektion. Allerdings trägt nicht jede Zecke das Virus oder das Bakterium in sich.

Gegen FSME sind drei Impfungen für einen umfassenden Schutz erforderlich. Die zweite Dosis wird vier bis zwölf Wochen nach der ersten verabreicht. Etwa 14 Tage nach der zweiten Impfung hat der Körper für einige Monate genug Abwehrkräfte. Wer länger geschützt sein möchte, sollte sich nach neun bis zwölf Monaten eine dritte Impfung verabreichen lassen, empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Sie hält mindestens drei Jahr vor.