Düsseldorf - Arbeitslose sind gestresster als Manager. Und immer mehr Mütter in Deutschland leiden unter Erschöpfung. Dauerhafter Stress kann den Alltag zur Qual machen - und den Menschen krank. Dabei gibt es verschiedene Wege, damit umzugehen.

Zur Vorlesung hetzen, sich über den Chef ärgern, die Kinder zur Schule bringen - Stress ist für viele ein ständiger Begleiter. Damit die Belastung nicht krank macht, sollten sich Stressgeplagte erst einmal an die eigene Nase fassen und ihre Einstellung überdenken, rät der Diplom-Psychologe Lutz Hertel aus Düsseldorf. So sollten sie sich fragen: Muss ich wirklich immer alles selber machen? Muss ich alles immer absolut richtig machen? Und muss ich es allen recht machen? Wer gelassen bleibt, kann Stress besser bewältigen. Steht jemand trotzdem unter Dauerdruck, helfen folgende Tipps zum Ausgleich:

Sport: Stress setzt Energie im Körper frei, die abgebaut werden will. "Bewegung ist die einzige Möglichkeit, damit sich die Energie nicht gegen den Körper richtet", erklärt Hertel, der Vorsitzender des
Deutschen Wellnessverbandes ist. Gut gegen Stress eignet sich Ausdauersport wie Laufen oder Fahrradfahren. "Bloß kein Mannschafts- oder Wettkampfsport, denn das ist wieder Stress, weil es um das Gewinnen geht."


Bewusst entspannen: Atemtechniken, autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Tai-Chi wirken beruhigend und helfen beim Bewältigen von Stresssituationen. "Ich empfehle Patienten Yoga schon am Morgen, um gelassener in den Tag zu gehen", sagt Hertel. Allein auf der heimischen Couch sitzen hilft hingegen nicht. "Dann grübeln Sie möglicherweise, und die Stressgedanken holen Sie wieder ein."


Genug Schlaf: Für die Regeneration und das Immunsystem ist ausreichend Schlaf sehr wichtig. Dabei gibt es keine festgeschriebene Mindestzahl an Stunden. "Es geht darum, ob Sie sich morgens frisch und leistungsfähig fühlen", erklärt der Psychologe. Einigen Menschen reichten dauerhaft auch sechs Stunden am Tag.


Tagesablauf strukturieren: Klar festgelegte und realistische Ziele im Alltag sind wichtig, um sich nicht selbst zu überfordern. "Stress ist das, was man nicht schafft", erläutert Hertel.


Lasten verteilen: Wenn einem alles über den Kopf wächst, sollte man andere um Hilfe bitten. Eine alleinerziehende Mutter kann eventuell Verwandte und Freunde fragen, das Kind häufiger zu übernehmen, um sich selbst eine Auszeit zu gönnen.


Work-Life-Balance gestalten: Viel Arbeit ist nicht automatisch immer mit Stress verbunden. "Viele empfinden auch ihr Privatleben als belastend und erholen sich im Beruf", sagt Hertel. Entscheidend ist aber der Grad der Selbstbestimmung, um sein eigenes Gleichgewicht zwischen Job und Freizeit zu finden. "Da haben zum Beispiel Selbstständige gute Karten."

Studien: Mütter und Arbeitslose gestresst
Arbeitslose und Alleinerziehende leiden häufiger unter chronischem Stress als leitende Angestellte und Beamte. Das zeigt die am Dienstag (17. Juni) veröffentlichte Erhebung der DAK-Gesundheit. Auch Studentinnen sind stärker betroffen.

Immer mehr Mütter in Deutschland leiden unter Erschöpfung bis hin zum Burn-Out. Um 37 Prozent ist die Zahl der Mütter seit 2003 gestiegen, die wegen psychischer Störungen eine Kur machten. Das geht aus Daten des Müttergenesungswerkes (MGW) hervor, die ebenfalls am Dienstag (17. Juni) vorgestellt wurden. Ständiger Zeitdruck, berufliche Aufgaben und zu wenig Anerkennung belasten Mütter am meisten, wie das MGW mitteilte. Zunehmend gebe es auch Probleme in der Partnerschaft.