Berlin/Marburg - Der Psychiater Alois Alzheimer ist Namensgeber einer der häufigsten Demenzerkrankungen. Für die Patienten und ihre Angehörigen ist die Krankheit eine Last. Heilbar ist sie bislang nicht.

Schätzungsweise mehr als 1,3 Million Menschen leiden bundesweit an einer Demenz, in mehr als der Hälfte der Fälle handelt es sich um die Alzheimer-Krankheit. Eine Heilung gibt es bislang nicht. Aber je eher die Erkrankung erkannt wird, desto besser können die Betroffenen behandelt und betreut werden. Grundsätzlich erschwert allerdings die sogenannte Anosognosie, das Nicht-Erkennen der eigenen Krankheit, den Weg des Patienten zum Arzt, erläutert Prof. Richard Dodel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin. "Die Patienten meinen, sie haben keine Probleme mit ihrem Gedächtnis oder bagatellisieren sie."

Welche Symptome gibt es bei der Alzheimer-Krankheit?


"Vordringlichstes Symptom ist die Gedächtnisstörung", sagt der an der Universität Marburg tätige Mediziner. Vor allem das Kurz- beziehungsweise Neuzeitgedächtnis ist betroffen: Der Patient geht zum Beispiel in den Keller und hat, bis er unten ist, vergessen, was er dort wollte. Er kann Probleme haben, passende Worte zu finden oder sich an Namen zu erinnern. Typisch sind außerdem Aufmerksamkeitsstörungen oder das Nicht-Verstehen von Gesehenem oder Gehörtem. "Es gibt aber auch Symptome, die dem weit vorausgehen", ergänzt Dodel. So können psychische und Verhaltensstörungen ein frühes Anzeichen sein.

Wie verläuft die Diagnose?


"Den ultimativen Test gibt es derzeit noch nicht, die Diagnose gleicht eher der Zusammenstellung eines Mosaiks", betont der Neurologe. Hierzu gehört auch das Erheben der Krankheitsgeschichte, die mit den Angehörigen erfolgen sollte, die den Betroffenen regelmäßig sehen. Neben den körperlichen werden die kognitiven Funktionen getestet, um die aktuelle geistige Leistungsfähigkeit beurteilen zu können. "Das sollte nicht nur mit Kurztests, wie zum Beispiel dem siebenminütigen Mini-Mental-Status-Test, kurz MMST, erfolgen, der zeigt nicht die ganze Bandbreite", sagt Dodel. Es ist aussagekräftiger, eine standardisierte Testbatterie zu verwenden. Darüber hinaus sollte bei dem Patienten eine Laboruntersuchung des Blutes erfolgen, um zum Beispiel auf die B-Vitamine zu testen, deren Mangel auch zu Demenzsymptomen führen kann.

Welche weiteren Untersuchungsmethoden gibt es?


Entsprechend den deutschen Leitlinien sollte einmal eine Bildgebung des Gehirns (zum Beispiel Kernspin- oder Computertomographie (CT)) durchgeführt werden. Denn acht bis zehn Prozent aller Demenzerkrankungen seien behandelbar, weil sie zum Beispiel auf einem Tumor, einer Durchblutungsstörung im Gehirn, einer Schilddrüsenstörung oder anderen behandelbaren Ursachen beruhen. Das lasse sich mit den aufgeführten Untersuchungsmethoden abklären. Mit einer Positronen-Emissionstomographie (FDG-PET) lässt sich außerdem ein verminderter Zuckerstoffwechsel in bestimmten Regionen des Gehirns nachweisen, die typischerweise bei Alzheimer betroffen sind.

Wie könnte man der Erkrankung früher auf die Spur kommen?


Mit einer Untersuchung von besonderen Eiweißpartikeln (beta-Amyloid und Tau) des aus dem Rückenmarkskanal entnommenen Nervenwassers (Liquor) lässt sich laut Dodel in rund 90 von 100 Fällen sicher sagen, ob jemand Alzheimer hat. Allerdings sollte diese Untersuchung nur in spezialisierten Zentren erfolgen, damit das Testergebnis wirklich zuverlässig ist. "Damit kann man auch in die Vorgeschichte der Erkrankung hineingucken", erklärt der Experte. "Denn die Konzentrationen von Tau-Protein und beta-Amyloid im Liquor ist bereits fünf bis zehn Jahre vor Beginn der Gedächtnisstörung verändert."

Als jüngster Trend in der Frühdiagnose gilt der Amyloid-Nachweis mittels PET: "Damit lassen sich sehr früh, fünf, in manchen Studien über 15 Jahre vor Krankheitsbeginn, im Gehirn Amyloid-Veränderungen nachweisen", sagt Dodel. "Ich sehe aber ein ethisches Problem: Wir können den Patienten zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts anbieten, das eine Heilung oder zumindest ein Aufhalten der Progression der Erkrankung verspricht." Er sei daher kein großer Freund von "zu frühen" Frühdiagnosen. "Viele Menschen werden sich sagen: Mir reicht es, wenn ich weiß, klinisch bin ich gesund", sagt Dodel. "Dies wird sich aber sofort ändern, wenn wir entsprechende Medikamente zur Verfügung haben."