Köln - Während der Fußball-WM wird viel gewettet. Das Spiel mit dem Glück ist nicht für jeden harmlos. Vor allem Live-Sportwetten bergen ein hohes Suchtpotenzial. Was Betroffene und Angehörige tun können.

Live-Sportwetten bergen ein besonders großes Suchtpotenzial. Vor allem Ereignis-Wetten, bei denen der Zocker zum Beispiel während eines Fußballspiels auf Vorkommnisse wie die erste gelbe Karte Geld setzt, seien riskant, warnt Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Der Glücksspieler ignoriere oft völlig den Zufall des Spiels und überschätze sein eigenes Wissen zu möglichen Ereignissen während des Spiels und zu dessen Ausgang.

Ein typisches Signal für eine beginnende
Glücksspielsucht ist nach Angaben von BZgA-Sprecherin Marita Völker-Albert, dass jemand sehr viel Zeit ins Zocken investiert. "Andere Interessen, die Familie und Freunde werden vernachlässigt, und fadenscheinige Ausreden werden gebraucht, um sich nicht outen, wo man gewesen ist." Betroffene verheimlichen also, dass sie mehr spielen, als gut ist.


Außerdem sei regelmäßiges Glücksspiel teuer, erläutert Völker-Albert: Die Betroffenen brauchen immer mehr Geld, verschulden sich, leihen sich etwas bei Verwandten, Freunden oder gar im Kollegenkreis. "Sie sind sehr kreativ mit Ausreden, wofür sie das Geld benötigen." Wem der Grund merkwürdig vorkommt, sollte daher aufmerksam werden und nachhaken, ob nicht eine andere Ursache hinter dem Geldbedarf steckt. Wer schon den Verdacht hat, dass der um Geld Bittende glücksspielsüchtig ist, sollte ihm auf keinen Fall welches geben, selbst wenn die Ausrede noch so überzeugend ist, betont die Sprecherin.

Selbst erkennen Glücksspielsüchtige ihr Problem meist daran, dass es ihnen nicht gelingt, weniger zu spielen. "Allein das Gefühl "ich muss mich kontrollieren" ist schon ein Anzeichen", sagt sie. Sie rät zu dem
Selbsttest, den die BZgA online anbietet. Dort erhalte der Teilnehmer sofort eine Einschätzung, wie es um ihn steht, und bekomme Hinweise, wo er Hilfe findet und was er als nächstes tun sollte.


Sinnvoll sei dann auch, mit der Familie oder Freunden zu sprechen. Wer das schaffe, zeige, dass er akzeptiert, ein Problem zu haben und Hilfe in Anspruch nehmen muss, um vom Glücksspiel loszukommen. "Wer nicht den Mut dazu hat, mit anderen darüber zu reden, kann auch ein kostenloses und anonymes Beratungstelefon anrufen", betont Pott. Mit einem Anruf dort lasse sich klären, wo die Probleme liegen und wo Hilfe zu bekommen ist. Auch Angehörige können die Telefonberatung in Anspruch nehmen.

Service:


Kostenlose und anonyme Telefonberatung des Deutschen Lotto- und Totoblocks zur Glücksspielsucht in Kooperation mit der BZgA: 0800/137 27 00 (sieben Tage die Woche).