Hamburg - Die Ebola-Epidemie in Westafrika fordert immer mehr Opfer. Kann sich das tödliche Virus auch in Europa ausbreiten? Ein Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg erklärt, es gebe keinen Grund zur Sorge.

Angst vor einer Ausbreitung von Ebola auf Europa ist nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg unbegründet. "Es ist absolut unwahrscheinlich, dass es in Europa zu einer Epidemie kommt", sagte der Leiter der Virusdiagnostik, Jonas Schmidt-Chanasit, am Dienstag (5. August) in Hamburg der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er räumte allerdings ein, mit den steigenden Infektionszahlen und immer mehr Helfern aus Europa steige das Risiko, dass ein Erkrankter einreise. "Aber gleichzeitig verstärken die Länder ihre Maßnahmen, damit Infizierte ihre Heimat erst gar nicht verlassen können."

Die Ebola-Inkubationszeit beträgt bis zu drei Wochen. Erst bei Fieber, Durchfall oder Erbrechen könne der Betroffene das Virus weitergeben, sagte der Wissenschaftler. "Dafür ist ein enger Kontakt mit Erkrankten oder verstorbenen Patienten notwendig - wie ihn etwa Angehörige haben." Bei dem Schreckensszenario, man sitze zufällig neben einem unerkannt Infizierten in der U-Bahn, bestehe keine Übertragungsgefahr. "Dafür müsste man mit dem Blut oder Erbrochenen in Berührung kommen."

Die seit Monaten andauernde Ebola-Epidemie in Westafrika ist die schwerste bisher registrierte. Bis zum 1. August wurden bereits knapp 900 Tote gemeldet. Die frühere Gesundheitsministerin von Mali, Fatoumata Nafo-Traoré, hatte am Montag (4. August) vor einer möglichen Ausbreitung des Virus auf andere Länder oder sogar Kontinente gewarnt.

Der Virologe Schmidt-Chanasit erklärte, sollte es tatsächlich demnächst einen "importierten Fall" geben, brauche niemand in Panik zu verfallen. "Der Erkrankte würde sofort isoliert und identifiziert, da würde es zu keinen größeren Übertragungsketten kommen." Europa sei gut vorbereitet. Ebola sei zudem weniger ansteckend als etwa die Windpocken.

"Deshalb ist es Murks sich vorzustellen, wenn sich die Tür zu unserem Labor öffnet, fliegt das Ebola-Virus in der Stadt umher", erklärte Schmidt-Chanasit. "Die Wahrscheinlichkeit, dass unerkannt Helfer das Virus nach Europa einschleppen und hier mit Symptomen rumlaufen, ist extrem unwahrscheinlich." Das gut ausgebildete medizinische Personal aus Europa würde die Symptome sofort erkennen und sich in Quarantäne begeben, ist der 35-Jährige überzeugt.

Auch Angst davor, dass afrikanische Flüchtlinge die Krankheit unwissentlich mitbringen, brauche niemand zu haben. "Flüchtlinge können sich diese Flüge nicht leisten und könnten an den Flughäfen ja auch kein Visum vorzeigen", sagte der Virologe. "Deshalb kommen sie über den Landweg. Dafür brauchen sie länger als die Inkubationszeit von drei Wochen." Wohlhabende Geschäftsreisende aus Westafrika, die Europa besuchen, gehörten nicht zu den Hauptgefährdeten von Ebola, erklärte Schmidt-Chanasit. "Weil sie eine höhere Bildung besitzen und eher die hygienischen Maßnahmen vor Ort beachten."