Mainz - Fluglärm macht Herzpatienten noch kränker. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Mainzer Uniklinik. Die Fähigkeit der Arterien, sich zu erweitern, nehme durch Lärm ab. Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle könnten die Folge sein.

Nächtlicher Lärm von Flugzeugen kann laut einer Studie schlimme Folgen für Herzpatienten haben: Schon in einer ersten Untersuchung 2013 hatten die Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz nachgewiesen, dass Fluglärm die Gefäße schädigt und damit zu einem höheren Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle führt. Dieser Effekt sei bei Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung oder einem Risiko hierfür noch deutlich ausgeprägter, erklärte der Mediziner Frank Schmidt, der die
Studie durchgeführt hatte. Die Ergebnisse wurden am Freitag (22. August) in Mainz präsentiert.


Untersucht wurden 60 Patienten, die sich freiwillig als Probanden gemeldet hatten. Sie bekamen Geräte mit nach Hause, die sie in manchen Nächten mit Fluglärm beschallten und in anderen nicht. Simuliert wurden bei einer Versuchsnacht insgesamt 60 Nachtflüge mit einem mittleren Schallpegel von 46 Dezibel, das entspricht dem Geräuschniveau bei niedriger Zimmerlautstärke.

Eigentlich hatten die Mediziner 100 Patienten für die Studie vorgesehen. Doch schon nach der Beschallung von 60 Probanden seien die Ergebnisse so eindeutig gewesen, dass eine Fortsetzung fragwürdig gewesen wäre, sagte Schmidt. Bemerkenswert sei, dass der Lärm die Gefäße schädige, obwohl die Patienten ihre Herzkreislaufmedikamente einnahmen, erklärte der Mediziner. Der Ärger, den die Patienten aufgrund des Lärms empfanden, und ihre Einstellung zu Fluglärm beeinflussten die Ergebnisse nicht.

"Die eindrücklichen Ergebnisse sind insbesondere vor dem Hintergrund der Erteilung der Baugenehmigung für Terminal 3 bedeutsam", sagte die Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz, Babette Simon, in Bezug auf den Frankfurter Flughafen. Sie forderte eine deutliche Entlastung des Geländes der Universitätsmedizin und der umliegenden Kliniken vom Fluglärm und die Errichtung eines runden Tisches. Alle Optionen des aktiven Schallschutzes müssten zum Einsatz kommen.

Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, plädierte angesichts der Studienergebnisse für eine sachliche Debatte über Fluglärmschutz: "Wir sehen mit Sorge, dass heute mit einer neuen Fluglärm-Studie weitere Ängste in der Bevölkerung geschürt werden."

# Notizblock

## Internet - [Umweltbundesamt](http://dpaq.de/SImXo) - [Deutsche Gesellschaft für Akustik](http://dpaq.de/8o8c5) - [Brandenburger Ministerium für Infrastrruktur, Referat Luftfahrt](http://dpaq.de/eMZ4M)


Lärm macht krank
- 40 Dezibel (dB), etwa durch Flüstern, stören bereits den Schlaf.

- 60 dB, wie beim Überflug einer Verkehrsmaschine in 1500 Metern Höhe, ein Gespräch oder leises Radio, stören die Konzentration und verursachen erste Belastungsreaktionen.

- 80 dB entsprechen dem Lärm des Düsentriebwerks eines startenden Jets in 300 Metern Entfernung, dem Geräuschpegel an einer Hauptverkehrsstraße, in einem Klassenzimmer oder bei Kirchenglocken in 200 Meter Entfernung. Das sorgt bei Dauerbelastung für ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko.

- 100 dB wie in einer lauten Fabrikhalle, von einer Kreissäge oder einem Presslufthammer können bei jahrelanger Belastung Gehörschäden zur Folge haben.

- 120 dB wie beim Überschallknall eines Flugzeugs in 100 Metern Höhe, auf einem Rockkonzert, neben einem Martinshorn oder einer Vuvuzela können Ohrenschmerzen verursachen.

- 140 dB entsprechen dem Startgeräusch eines Flugzeugs in 40 Metern Entfernung oder einer Trillerpfeife und machen Gehörschäden schon nach kurzer Zeit möglich.

- 160 dB etwa bei einem Gewehrschuss in Mündungsnähe können Gehörschäden schon bei einmaliger Einwirkung zur Folge haben.