Berlin - Liegt ein Baby in Beckenendlage, wird in vielen Kliniken per Kaiserschnitt entbunden. Vorher kann dem Kind aber der richtige Dreh gegeben werden, um eine normale Geburt zu ermöglichen. Indische Brücke, Moxakraut oder äußere Wendung - was hilft?

In der 35. Schwangerschaftswoche ging Kerstin zu einer Routineuntersuchung. Beim Ultraschall stutzte die Frauenärztin. "Plötzlich fragte sie: Huch, wo ist denn der Kopf?", erzählt Kerstin, die in Berlin als Beamtin arbeitet. Den ganzen Tag zuvor hatte es in ihrem Bauch "gerumpelt", wie sie sagt. Jeder Tritt sei auf der Bauchdecke zu sehen gewesen. Nach der Untersuchung war klar, was es damit auf sich hatte: Ihr ungeborener Sohn hatte sich gewendet. Er lag nun mit dem Steiß nach unten im Bauch der Mutter. Diese Position wird Beckenendlage (BEL) genannt.

Dass sich der Fötus im Uterus bewegt und wendet, ist nicht ungewöhnlich. "Bis zur 37. Schwangerschaftswoche dreht sich das ungeborene Baby von selbst und wechselt immer mal wieder die Position", erklärt Jörg Angresius, Frauenarzt aus Neunkirchen im Saarland.

Kerstin bekam von ihrer Hebamme den Rat, es mit einer Moxibustion zu versuchen. Dabei wird an bestimmten Punkten am Fuß der Schwangeren Moxakraut erhitzt. "Eine halbe Stunde später hat sich mein Kind stark bewegt", sagt Kerstin. Nur drehen wollte es sich nicht.

"Bei Erstgeburten ist es nationaler Standard, in so einer Situation einen Kaiserschnitt zu machen", sagt Angresius. Die werdende Mutter aus Berlin entschied sich schließlich, noch die äußere Wendung zu versuchen. Bei dieser Methode probieren die Geburtshelfer, das Kind durch Druckbewegungen auf den Bauch zu drehen.

Zunächst bekam Kerstin ein Mittel zur Entspannung der Gebärmutter. Dann begannen die Wendungsversuche. "Der Arzt probierte, den Po des Kindes aus meinem Becken zu lösen", erzählt sie. "Ein zweiter Geburtshelfer versuchte gleichzeitig, von oben den Kopf nach unten zu bewegen und somit das Baby zu drehen." Dabei hatte sie starke Schmerzen. Nach drei je einminütigen Versuchen gab der Arzt auf.

Dennoch plädiert Ulrike Peitz, Hebamme aus Hennef bei Bonn, für diese Methode. Die Erfolgsquote liege bei Erstgebärenden bei fast 60 Prozent. Bei Frauen, die schon ein Kind haben, steige sie sogar auf über 70 Prozent. "Wenn eine äußere Wendung noch kurz vor der Geburt versucht wird, sollte das immer in einer Klinik sein", betont Angresius. Die Ärzte müssten bereit sein, einen Kaiserschnitt durchzuführen, falls Komplikationen auftreten.

Die Kosten für die Behandlung werden von den Krankenkassen getragen. Auch Maßnahmen wie etwa die Moxibustion zahlen die Kassen. Neben diesen beiden gibt es noch eine Reihe weiterer Methoden, mit denen Eltern ihre Kinder zum richtigen Dreh bewegen können.

Die einfachste Möglichkeit ist die bewusste Kontaktaufnahme mit dem Kind: "Zum Baby hinatmen und mit ihm kommunizieren", erläutert Peitz. So merkt der Nachwuchs, dass er beachtet wird und kann zur Bewegung animiert werden. Eine weitere Möglichkeit sei, den Lichtstrahl einer Taschenlampe von den Rippen aus nach unten gleiten zu lassen. Damit werde dem Kind der Weg gewiesen.

Von vornherein verhindern, dass sich das Kind in die Beckenendlage dreht, können Mütter nicht, sagt Peitz. Meist bemerken Mütter das gar nicht. Der Befund kommt unerwartet beim Ultraschall - wie bei Kerstin. Nachdem bei ihr alle Versuche einer Wendung gescheitert waren, entschied sie sich für einen geplanten Kaiserschnitt. "Dadurch war das Risiko für das Kind am geringsten", erklärt sie. Alles verlief problemlos. Ihr Sohn Vincent kam gesund zur Welt.