Berlin - In Deutschland sterben immer wieder Patienten, weil für sie kein Transplantationsorgan zur Verfügung steht. Die Zahl der Spender nimmt von Jahr zu Jahr ab, trotz aller Aufklärungsversuche.

Eine Organspende kann für schwer kranke Patienten über Leben oder Tod entscheiden. Viele Menschen verunsichert dieses Thema und sie tun sich schwer, sich als potenzieller Spender bereitzuerklären.

Ist die Organspende gesetzlich geregelt?


Ja, im Transplantationsgesetz von 1997. Seit 2012 gilt in Deutschland zudem die Entscheidungslösung. Alle Krankenversicherten ab 16 Jahren sollen sich mit dem Thema auseinandersetzen. Dazu werden sie schriftlich von ihren Krankenkassen aufgefordert und bekommen einen Organspendeausweis zugeschickt. Es muss sich aber niemand entscheiden.

Wenn man seine Bereitschaft zur Organspende erklärt hat, kann man das auch wieder rückgängig machen?


Ja. Man kann einfach den Ausweis vernichten oder darin ausdrücklich festlegen, nicht Organe spenden zu wollen. Es können auch bestimmte Organe und Gewebe von der Spende ausgeschlossen oder dafür freigegeben werden.

Kommt jeder als Organspender infrage?


Im Prinzip ja. Ob ein Organ für eine Transplantation geeignet ist, wird nach dem Tod des Spenders geprüft. Eine Organentnahme ist allerdings ausgeschlossen, wenn der Spender an einer akuten Krebserkrankung leidet oder HIV-positiv ist.

Gibt es eine Altersbeschränkung?


Es gibt keine feste Altersgrenze. Es kommt auf den Zustand des Organs an.

Welche Voraussetzungen gibt es für eine Organentnahme?


Der Hirntod ist die medizinische Voraussetzung für eine Organspende. Die Herz- und Kreislauffunktion des Gestorbenen wird künstlich aufrechterhalten. Zwei Experten müssen unabhängig voneinander den vollständigen Ausfall des gesamten Gehirns feststellen. Außerdem muss eine Einwilligung vorliegen. Dazu dient der Organspendeausweis. Man kann auch eine Patientenverfügung so formulieren, dass eine Organspende möglich bleibt. Gibt es kein schriftliches Einverständnis, müssen die nächsten Angehörigen entscheiden.

Welche Organe können transplantiert werden?


Nach dem Hirntod können Niere, Herz, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm gespendet werden. Es gibt auch Lebendspenden, etwa von Nieren.

Wie ist der Ablauf?


Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) leitet medizinische Daten an die Vermittlungsstelle Eurotransplant weiter. Hier sind Patienten aus mehreren Länder registriert, die auf ein Spenderorgan warten. Die Spenderorgane werden nach festgelegten Kriterien vergeben. Eurotransplant ermittelt den passenden Empfänger auf der Warteliste und informiert das zuständige Transplantationszentrum. In Deutschland gibt es rund 50 solcher Zentren. Die DSO organisiert in Absprache mit dem Krankenhaus und dem Transplantationszentrum die Entnahme und den Transport des Organs.

Wie sind die aktuellen Zahlen?


In Deutschland warten etwa 11 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Doch es gibt viel zu wenige Spender. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 876 nach 1046 im Jahr 2012 und 1200 im Jahr davor. Eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergab, dass 2013 die Bereitschaft, ein Organ zu spenden, im Vergleich zum Vorjahr von 70 auf 68 Prozent zurückging. Der Anteil der Befragten mit einem Organspendeausweis stieg allerdings von 22 auf 28 Prozent.