Greifswald - Jeder achte Deutsche ist Träger der Blutgruppe B. Forscher fanden jetzt heraus, dass diese Blutgruppe das Risiko für eine chronische Pankreatitis um den Faktor 2,5 erhöht.

Nicht nur Alkohol und Rauchen erhöhen das Risiko an Bauchspeicheldrüsenentzündung und -krebs zu erkranken, sondern auch die Blutgruppe. Menschen mit Blutgruppe B haben ein 2,5-fach höheres Risiko für eine chronische Pankreatitis als Träger der Blutgruppe Null, fanden Forscher der Universität Greifswald in einer Studie heraus.

Die Ergebnisse seien auch deshalb interessant, weil bereits in einer anderen Studie gezeigt wurde, dass die Blutgruppe B ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs sei, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Gastroenterologie am Universitätsklinikum, Professor Markus M. Lerch. Rund 12 Prozent der Deutschen seien Träger der Blutgruppe B.

Für ihre Untersuchungen hatten die Forscher die Blutwerte von zunächst 4000 gesunden Teilnehmern der SHIP Studie, dann 1400 gesunden Blutspendern und schließlich von 1000 an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung erkrankten Patienten untersucht. Ausgangspunkt der Untersuchungen war die bekannte Tatsache, dass im Vergleich zu Gesunden im Blut von Pankreatitis-Patienten ein deutlich erhöhter Lipase-Wert nachgewiesen werden kann.

Die Forscher Claudia Schurmann und Frank Ulrich Weiss untersuchten dann das Blut von 5400 Gesunden auf mögliche erbliche Faktoren für die Höhe der Lipase im Blut und stellten fest, dass Menschen mit einem hohen, aber im Normbereich liegenden Lipase-Wert vermehrt Träger der Blutgruppe B waren und auch Veränderungen im Gen für das Enzym Fucosyltransferase 2 aufwiesen.

In einem weiteren Schritt wurde dann das Blut von über 1000 Greifswalder Patienten mit einer Bauchspeicheldrüsenentzündung untersucht. Dabei habe sich bestätigt, dass bei Erkrankten sowohl der sogenannte FUT2-Non-Secretor-Status - die genetisch bedingte Unfähigkeit, dieses Enzym aus den Drüsenzellen auszuscheiden - auffällig verändert war und auch die Blutgruppe B vermehrt auftrat. Sie errechneten daraus ein bis zu 2,5-fach erhöhtes Risiko für eine chronische Pankreatitis im Vergleich zur viel häufigeren Blutgruppe Null.

Den Risiko-Genvarianten (Blutgruppe B und FUT2-Non-Secretor) liege möglicherweise ein gemeinsamer physiologischer Mechanismus in den Bauchspeicheldrüsenzellen zugrunde, sagte Lerch. Von der Blutgruppe wie auch vom FUT2-Non-Secretor-Status sei abhängig, wie Zuckerreste an die von Epithelzellen der Bauchspeicheldrüse ausgeschiedenen Eiweiße angehängt werden.

Die Forscher empfehlen Menschen mit Blutgruppe B, beeinflussbare Risikofaktoren für Bauchspeicheldrüsenentzündung wie Alkohol und Rauchen möglichst zu meiden oder zu minimieren. Das Rauchen verdopple beispielsweise das Erkrankungsrisiko, sagte Georg Homuth aus der Funktionellen Genomforschung. Alkohol erhöhe das Risiko in Abhängigkeit von der konsumierten Menge.

Der größte erbliche Risikofaktor für Bauchspeicheldrüsenentzündung bleiben aber Mutationen im Trypsinogen-Gen. Acht von zehn Trägern dieser Mutation erkranken an einer Pankreatitis, sagte Lerch. Bei Trägern der Blutgruppe B ist es einer von 4000. Das allgemeine Erkrankungsrisiko für Pankreatitis liegt bei 1 zu 10 000. In Deutschland werden jährlich mehr als 72 000 Patienten mit einer akuten oder chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse in Krankenhäusern behandelt. Mehr als 1600 sterben pro Jahr daran im Krankenhaus.