Mainz - Etwa ab dem Teenager-Alter stellt sich bei vielen jungen Menschen die Frage, ob ihre Weisheitszähne entfernt werden sollen oder nicht. Die Entscheidung ist schwierig, insbesondere, wenn der Betroffene bislang keine Beschwerden hat.

Manche Menschen haben vier von ihnen, andere weniger. Bei einigen brechen sie im Jugendalter durch, bei manchen zeigen sie sich nie. Die Rede ist von Weisheitszähnen. Beim Kauen werden sie nicht mehr gebraucht. Sie können aber zu einer Vielzahl von Problemen führen.

Bis vor einiger Zeit sei es üblich gewesen, die Weisheitszähne deshalb so früh wie möglich zu ziehen, erläutert Kai Fortelka von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). "In den vergangenen Jahren hat in diesem Bereich aber ein Umdenken stattgefunden." So orientierten sich die Zahnärzte nun an einer aktualisierten Leitlinie zur operativen Weisheitszahnentfernung. Denn wer den Zahn loswerden möchte, muss sich operieren lassen. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse, wenn der Eingriff medizinisch notwendig ist.

Der an der Uniklinik Mainz tätige Kieferchirurg Wilfried Wagner spricht von einer Risikoabwägung. Verursacht ein Weisheitszahn akut Probleme, müsse er in der Regel raus. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie verweist ebenfalls auf die wissenschaftliche Leitlinie. Diese besagt: Kommt ein Patient mit Schmerzen zum Arzt, die im Zusammenhang mit einem Weisheitszahn stehen, sollte dieser entfernt werden.

Das gelte etwa bei Druckschmerzen am Kiefer oder wenn das umliegende Gewebe entzündet ist, zählt Wagner auf. Wenn der hinterste Backenzahn schmerzt, aber an sich gesund ist, könne das Entfernen des benachbarten Weisheitszahns ebenfalls Linderung verschaffen. Doch die Leitlinie empfiehlt einen Eingriff auch bei allgemeineren Symptomen: wenn sich Hinweise ergeben, dass ein Weisheitszahn eine Ursache für Zahn- oder Gesichtsschmerzen ist.

Ihn im Kiefer zu belassen, birgt Risiken. Weisheitszähne brechen oft Stück für Stück durch und können bei jedem kleinen Schub neue Entzündungen verursachen. Sie führen auch zu Druck im Kiefer. Bei Patienten mit engen Kiefern können sie die Schneidezähne übereinanderschieben. Außerdem kann dieser Druck den Kiefer oder die Backenzähne schädigen.

Ist eine solche Entwicklung absehbar, kann eine prophylaktische Operation sinnvoll sein. Das hängt allerdings auch immer vom Patienten ab. Jugendliche und junge Erwachsene stecken den Eingriff laut Wagner erfahrungsgemäß am besten weg: "Bei Patienten zwischen 14 und 25 Jahren sind am wenigsten Komplikationen zu erwarten."

Patienten bekommen bei der Operation in der Regel eine Gummidrainage, die für einen Tag in der Wunde bleibt. Diese führt Flüssigkeiten ab und verhindert so Schwellungen und Entzündungen, erklärt Wagner. Operierte müssen zwei bis drei Tage mit Beeinträchtigungen rechnen. In dieser Zeit können Schwellungen, Schmerzen oder Probleme beim Öffnen des Mundes auftreten. Halten die Beschwerden länger an, sollten Patienten ihren Zahnarzt aufsuchen, rät Wagner. Mögliche Folgen könnten neben einer Infektion der Wunde auch Schäden an Nerven oder am Kiefer sein.

Laut Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mangelt es an vergleichenden Studien, die Krankheitsverläufe von operierten und nicht operierten Patienten verfolgen. Zahnärzte können aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Daten daher nicht immer sichere Aussagen treffen.

"Letztendlich braucht man einen Zahnarzt, der einen gut berät", sagt Koch. Wenn der Zahnarzt eine Operation vorschlägt, muss der Patient nicht gleich auf dem Untersuchungsstuhl entscheiden. "Im Normalfall hat diese Entscheidung keine Eile", erklärt Koch. Wenn Patienten sich von den Argumenten des Zahnarztes nicht überzeugt fühlen, könnten sie noch einen zweiten Arzt zurate ziehen.