Bielefeld - Spielhalle, Onlinepoker oder Sportwetten: Glücksspielsüchtige zocken meist im Verborgenen. Angehörige können die Sucht nur schwer erkennen. Wollen sie das Problem ansprechen, brauchen sie Fingerspitzengefühl.

Glücksspielsüchtige verstecken ihre Sucht oft über mehrere Jahre. "Familie und Freunde bekommen vom Doppelleben der Spieler häufig gar nichts mit", sagt Ilona Füchtenschnieder vom Fachverband Glücksspielsucht (fags) in Bielefeld. Laut einer Studie der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind in Deutschland gut 0,8 Prozent der 16- bis 65-Jährigen spielsüchtig. Das sind 438 000 Menschen. Hier drei wichtige Fragen für Betroffene und Angehörige:


Woran merken Betroffene, dass sie ein Problem haben?


Ein erstes Anzeichen für Glücksspielsucht ist, dass Betroffene nicht mehr offen über ihr Spielverhalten mit anderen sprechen. "Freunde und Verwandte werden über das wahre Ausmaß angeschwindelt", sagt Füchtenschnieder. Außerdem beginnen Glücksspieler Geld zu verspielen, das eigentlich für andere Dinge wie etwa die Miete gedacht ist. Die Folge können finanzielle Engpässe sein.

Was können Angehörige tun?


Für Familie und Freunde ist es schwierig, Glücksspielsucht zu erkennen. Betroffene haben häufig Geldprobleme und keine Zeit. "Das sind natürlich sehr allgemeine Anzeichen, die nicht automatisch auf Glücksspiel hindeuten müssen", schildert Füchtenschnieder das Problem. Erst wenn Geld fehlt oder das gemeinsame Konto geplündert wurde, wird das persönliche Umfeld der Betroffenen aufmerksam. Vermuten Angehörige Glücksspiel, sollten sie die betroffene Person ansprechen - gleichzeitig aber sensibel vorgehen. Wollen sich die Betroffenen Geld leihen, sollten Angehörige diesen Bitten nicht nachkommen.

Wo finden Spielsüchtige Hilfe?


Es gibt kostenfreie Hotlines, bei denen Betroffene und Angehörige mit Experten sprechen können. "Die Hürde, bei einer solchen Hotline anzurufen, ist nicht so groß", erklärt Füchtenschnieder. "Der Anrufer kann anonym bleiben." Auf der Seite
check-dein-spiel.de der BZgA können Betroffene online testen, ob ihr Spielverhalten noch in Ordnung ist. Der Weg zu einer Suchtberatungsstelle vor Ort ist der nächste Schritt. Hier werden die Betroffenen über das weitere Vorgehen beraten.

Glücksspiel
Beim Glücksspiel mit Geldeinsatz ist der Ausgang größtenteils vom Zufall bestimmt. Neben den klassischen Spielbanken gibt es zum Beispiel Lotto und Toto, Pferdewetten sowie die Klassen- und Fernsehlotterie. Mit Abstand am beliebtesten - gerechnet nach den Umsätzen - aber sind Geldspielautomaten, vor allem in Gaststätten und Spielhallen. Gaben bei repräsentativen Umfragen 2007 rund 2,2 Prozent der Interviewten an, ihr Geld in solche Daddelautomaten zu stecken, waren es 2013 bereits 3,7 Prozent - darunter häufig Vielspieler.

Glücksspielsucht trifft vor allem Männer. Beim Traum vom schnellen Geld verlieren besonders häufig junge Migranten die Kontrolle über ihre Spielleidenschaft. Folgen sind oft hohe Schulden.