Heidelberg - Manch ein Raucher versucht, mit E-Zigaretten von seinem Laster loszukommen. Doch auch die elektrische Variante berge Gesundheitsgefahren, warnt die Heidelberger Krebsforscherin Pötschke-Langer im Interview:

Welche Erkenntnisse über den Konsum von E-Zigaretten gibt es?


Pötschke-Langer: E-Zigaretten sind gesundheitlich bedenklich und zwar vor allem für Kinder und Jugendliche und für Nichtraucher. Die Hauptbestandteile sind Propylenglycol, das ist im Prinzip ein Erdölprodukt, Aromastoffe und Nikotin. Die Hersteller von Propylenglycol warnen selbst auf ihren Sicherheitsblättern davor, die Dämpfe einzuatmen, die beim Erhitzen des Produkts entstehen.

Was bedeutet das für die gesundheitlichen Auswirkungen von E-Zigaretten?


Pötschke-Langer: Der Propylenglycol-Nebel löst Atemwegsirritationen aus. Es ist bekannt, dass etwa Menschen, die in der Unterhaltungsbranche regelmäßig Theaternebel ausgesetzt sind, vermehrt an akuten und chronischen Atemwegserkrankungen leiden - Propylenglycol ist nicht harmlos. Und ausgerechnet dieser Stoff wird in den E-Zigaretten erhitzt. Das ganze Chemikaliengemisch atmen die Konsumenten ein.

Ist es nicht zumindest weniger schädlich als Tabakzigaretten zu rauchen?


Pötschke-Langer: Das ist ein ganz wichtiger Punkt: E-Zigaretten sind lediglich im Vergleich mit Tabakzigaretten weniger schädlich. Ein vollständiger Umstieg zum Rauchen von E-Zigaretten könnte wahrscheinlich das Gesundheitsrisiko der Raucher senken. Aber dazu haben wir bislang keinerlei Daten vorliegen, denn diese Produkte sind zu kurz im Verkehr, um die Langzeitfolgen abzuschätzen. Das Nikotin in der E-Zigarette darf aber nicht verharmlost werden. Es macht abhängig, ist ein Zellgift und fördert das Wachstum bestehender Tumorzellen. Es steht auch im Verdacht, sogar Krebs zu erzeugen.

Gibt es Erkenntnisse, wer E-Zigaretten raucht?


Pötschke-Langer: Es sind hauptsächlich Raucher, die aufhören wollen mit dem Rauchen. Die meisten, die E-Zigaretten ausprobiert haben, sind allerdings Raucher geblieben. Nur 0,4 Prozent der Deutschen sind Dauerkonsumenten von E-Zigaretten. Im Moment gibt es hierzulande erst wenige Kinder und Jugendliche, die E-Zigaretten rauchen.

Zur Person:
Martina Pötschke-Langer (63) leitet die Stabsstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums mit Sitz in Heidelberg. Sie studierte zunächst Deutsche Geschichte und Germanistik an der Universität Heidelberg. Später folgte ein Studium der Humanmedizin mit Staatsexamen und Zulassung als Ärztin.