Bremen - Seidig glänzend soll es sein, voll und noch dazu von kräftigem Wuchs: Eine üppige Haarpracht auf dem Kopf gilt als Schönheitsideal. Kommt es zu einem übermäßigen Haarausfall, dann kratzt das häufig gewaltig am Selbstbewusstsein des Betroffenen.

Auf dem Kissen, in der Dusche oder auf dem Boden im Bad - überall liegen Haare. Dass sie ausfallen, ist normal und oft kein Anlass zur Sorge. Kritisch wird es erst, wenn sich die Pracht auf dem Kopf gleich büschelweise löst. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie viele Haare hat ein Mensch durchschnittlich auf dem Kopf?


"Jeder Mensch hat im Schnitt zwischen 80 000 und 150 000 Haare auf dem Kopf", sagt der Hautarzt Uwe Schwichtenberg aus Bremen. Dabei spielt auch die Haarfarbe eine Rolle. Die meisten Haare auf dem Kopf haben Blonde, die wenigsten Rothaarige.

Wie viele Haare fallen normalerweise täglich aus?


Im Durchschnitt verliere jeder Mensch zwischen 50 und 100 Haare pro Tag, sagt der Friseurmeister Thomas Vetterlein, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Zweithaarspezialisten. Normalerweise bleiben die Haarwurzeln in der Kopfhaut, so dass das ausgefallene Haar zügig wieder nachwächst, ergänzt Nusret Cikotic vom Bundesverband Deutscher Apotheker. Wem das Haar zwar nicht büschelweise abhandenkommt, wer aber dennoch glaubt, mehr als 100 Haare täglich zu verlieren, sollte die Entwicklung über einen längeren Zeitraum genau beobachten. "Eventuell kann es auch helfen, ausgefallene Haare im Einzeln zu zählen", empfiehlt Vetterlein. Oft stelle sich nämlich dabei heraus, dass der Haarverlust doch nicht so immens ist wie anfangs gedacht.

Welche Ursachen stecken hinter Haarausfall?


Die Ursachen können laut Schwichtenberg sehr verschieden sein. Haarausfall kann erblich bedingt sein. Bei einem kreisrunden Haarausfall gibt es am behaarten Kopf eine oder mehrere kreisrunde kahle Stellen. Wie es dazu kommen kann, ist unbekannt. "Vermutet wird eine Autoimmunerkrankung", erläutert der Hautarzt. "Der sogenannte diffuse Haarausfall kann durch eine Schilddrüsenerkrankung oder durch Stress hervorgerufen werden", fügt Vetterlein hinzu. Zu Haarausfall kommt es häufig auch infolge von radikalen Schlankheitskuren oder von Hormonumstellungen nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren.

Kann auch häufiges Waschen oder Färben zu Haarausfall führen?


Waschen nicht. Und Färben nur, wenn die Gebrauchsanweisung nicht genau befolgt wird oder zu häufig und zu extrem gefärbt wird. "Wenn jemand von dunkelhaarig auf platinblond wechseln will und für dieses Ziel in kurzer Zeit häufig das Haar färbt, dann kann dies zu Haarausfall führen", warnt Vetterlein.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Haarausfall?


Die Therapie richtet sich nach der Ursache für den Haarausfall. "Prinzipiell sollte erst mit einem Arzt die Behandlung durchgesprochen werden", rät Cikotic. Der Arzt kann je nach Befund Tabletten, Salben oder Tinkturen verschreiben.

Welche Alternativen zu einem kahlen Schädel gibt es?


"Bei einer Vollglatze oder mehreren großflächigen Kahlstellen empfiehlt sich eine Perücke", sagt Vetterlein. Schwichtenberg ergänzt: "Es gibt Leute, die mit einer Perücke psychisch nicht klarkommen." Eine Haartransplantation ist dann eine nicht ganz risikoarme Alternative. Dabei werden Haarwurzeln etwa vom Hinterkopf zum Beispiel in Geheimratsecken oder an anderen kahlen Stellen verpflanzt. "Ein solcher Eingriff sollte aber nur von wirklich erfahrenen Transplanteuren durchgeführt werden", betont Vetterlein.

Was lässt vorbeugend gegen krankhaften Haarausfall tun?


Eine ausgewogene Ernährung kann hilfreich sein. "Wer wegen Übergewicht auf Diät ist, sollte sich vom Arzt gegebenenfalls Vitamin- und Mineralstoffpräparate verschreiben lassen", rät Schwichtenberg. Vetterlein empfiehlt, zur Haarpflege ausschließlich milde Shampoos zu nutzen und die Haare nur bei gesunder Kopfhaut zu färben. Ansonsten gilt: bei Veränderungen den Rat von Fachleuten einholen.