Hamburg - Insekten aus tropischen Regionen breiten sich nach Beobachtung von Forschern auch in Deutschland aus. Sie bringen gefährliche Krankheitserreger mit sich.

"Die zwei wichtigsten invasiven Stechmückenarten, die uns Sorge bereiten, sind die Tigermücke und der Japanische Buschmoskito", sagte der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Die Tigermücke, die das Dengue-Fieber übertragen kann, sei bereits in Baden-Württemberg und Bayern zu finden. Der Japanische Buschmoskito habe sich noch sehr viel weiter ausgebreitet, so im Raum Köln/Bonn und sogar bis nach Hannover. Diese Mücke könne das West-Nil-Virus oder auch den Erreger für die Japanische Enzephalitis, eine Gehirnentzündung, übertragen.

Ursache der Entwicklung sei in erster Linie der interkontinentale Waren- und Reiseverkehr, nicht der Klimawandel, betonte Schmidt-Chanasit. Für das Überleben der Tigermücke sei die Winterkälte kein Problem. Ihre Eier überstünden auch Temperaturen um minus 20 Grad, wie die Verbreitung in Japan zeige. "Die Tigermücke könnte rein theoretisch auch in Südschweden vorkommen", sagte Schmidt-Chanasit. Die von den Plagegeistern übertragenen Viren brauchen dagegen Wärme. Eine längere Hitzeperiode im Juli oder August sei ideal dafür. "Hier kommen wir schon eher in den Bereich, wo wir sagen, dass der Klimawandel eine Rolle spielt", sagte der Virologe.

Die Behörden in Deutschland haben die Gefahr erkannt. Gefördert vom Bundesumweltministerium arbeiten Insektenforscher seit einigen Jahren an einer deutschlandweiten Karte, auf der das Auftreten der invasiven Mückenarten verzeichnet wird. Im Südwesten Deutschlands setzt die Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) das biologische Mittel BTI gegen die Mücken ein, das auch gegen eingeschleppte Exoten wirksam ist.