Hamburg - Verflixt! Ausgerechnet jetzt zählt jemand dem Kassierer akribisch das Kleingeld hin: Einige werden dann ungeduldig und sind gestresst. Doch so muss die Warterei nicht laufen.

"Stress ist ein Überlebensmodus, der entweder Kampf, Flucht oder Totstellen nach sich zieht", erklärt Diplom-Pädagogin und Coach Miriam Born aus Hamburg. Die drei Optionen sind weder für die Bushaltestelle noch für die Supermarktschlange geeignet. Was also tun gegen die Ungeduld?

Als erstes sollte man sich seiner unbewussten Gedanken bewusstwerden: Etwa: Jetzt komme ich eine halbe Stunde zu spät. Oder warum passiert das immer bei mir? Diese sollte man dann auf die Realität prüfen. Kommt man wirklich eine halbe Stunde zu spät? Und selbst oder gerade wenn man noch einen Termin hat: "Man sollte mal wirklich auf die Uhr schauen. Das Warten sind ja meist bloß ein paar Minuten." Was auch hilft: Sich zu überlegen, was für einen Einfluss man gerade auf die Situation hat - in der Regel nämlich keinen. Das ist zwar ärgerlich aber hat auch etwas Beruhigendes. "Es bringt dann einfach nichts, sich in Rage zu denken."

Ein paar Minuten Warten, ohne etwas zu tun - das macht kaum noch jemand. Stattdessen greift man in jeder unbeschäftigten Sekunde zum Smartphone - für Born ist das ein Symptom der Ungeduld. "Die Mono-Tasking-Fähigkeit haben viele nicht", weiß Born. Was in Bezug auf das Smartphone helfen kann: Es etwas tiefer in der Tasche zu vergraben, statt immer griffbereit in der Hosentasche zu haben, rät Born. Wichtig sei auch, den Vibrationsalarm und den Ton auszuschalten - dann hat man zumindest nicht mehr bei jedem Brummeln den Drang "Ich muss sofort gucken".

Dieses Dringlichkeitsempfinden, was im Stress durch Gedanken der Ungeduld ausgelöst wird, kann man in fast allen Fällen mit zwei einfachen Fragen in den Griff bekommen, sagt Born: "Wie könnte ich die Dramatik einem vierjährigen Kind erklären? Und wenn das Kind nicht einsehen will, was daran so schlimm ist, wer hat recht?"