Nürnberg - Eine neue Internetseite soll über alternative Heilmethoden bei einer Krebserkrankung informieren. Die Seite biete Patienten an einer einzigen "verlässlichen Stelle unabhängige Informationen" über etwa 50 ergänzende Heilverfahren und -mittel, sagte Markus Horneber vom Klinikum Nürnberg.

Auf der Seite finden sich Infos zu Wirkstoffen, Anwendung und zur Forschungslage. Erstellt wurde die Datenbank unter Federführung des Klinikums vom Kompetenznetzwerk Komplementärmedizin in der Onkologie (Kokon), das von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird.

Das Bedürfnis der Patienten nach gesicherten Informationen zu alternativen Verfahren sei groß, sagte Horneber. Doch selbst viele Ärzte seien mit diesen Fragen überfordert, denn zu vielen Verfahren gebe es nur spärliche Daten. Spätestens im Juni soll die Datenbank über die
Kokon-Website verfügbar sein. Eine ähnliche Seite für Ärzte soll folgen.


Horneber betonte jedoch, dass bei einer Krebs-Erkrankung zunächst die konventionelle Therapie mit erprobten Medikamenten im Vordergrund stehe. "Danach kann man darüber sprechen, was zum Beispiel ein Mistel-Extrakt zusätzlich helfen kann." Wichtig sei zudem, dass die Patienten alternative Behandlungen mit ihrem Arzt absprechen, damit keine unerwünschten Nebenwirkungen auftreten oder gar das Haupt-Medikament nicht mehr richtig wirkt.

Je nach Dosierung könne auch ein pflanzlicher Wirkstoff einiges bewirken. Beispiele für ergänzende Behandlungsmittel und -verfahren sind die Wurzel Ginseng, Misteln oder grüner Tee, aber auch eine bestimmte Form der Akupunktur oder Meditation. Manche dieser Therapien könnten Folgeprobleme einer Krebstherapie mindern, die mit der Schulmedizin kaum behandelt werden könnten. Ginseng könne richtig dosiert etwa Erschöpfungszustände lindern, Mistel-Extrakt den Appetit anregen. Die Ärzte warnen jedoch vor Verfahren, die eine unrealistische Heilung versprechen oder die schlicht überteuert sind wie etwa eine Krebsimpfung oder Detox-Kuren für 20 000 Euro.

Im Kokon-Netzwerk haben 13 Institutionen wie die Berliner Charité oder die Freiburger Klinik für Tumorbiologie in den vergangenen drei Jahren zu komplementär-medizinischen Verfahren geforscht. Es entstanden dabei auch spezielle Schulungskonzepte für Ärzte.