Stuttgart - Casino, Tummelplatz für Zocker, riskant und kompliziert - viele Anleger haben Vorbehalte gegen die Börse. Ihnen ist das Geschäft zu abstrakt. Dabei gibt es Berührungspunkte im Alltag, beispielsweise beim Kaffee holen oder beim Handyvertrag.

"Eigentlich sind die meisten Verbraucher Aktiengesellschaften näher, als sie denken", erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Denn mit ihrem täglichen Konsum tragen sie immer auch ein Stückchen zu den Unternehmensgewinnen bei." Wer in Aktien investiert, kann an diesen Gewinnen teilhaben.

"Nehmen Sie beispielsweise den MSCI World Index", erklärt Nauhauser. In diesem Index sind etwa 1600 Aktien von weltweit tätigen Unternehmen aus 24 Ländern enthalten. Die Bandbreite ist dementsprechend groß: Sie reicht zum Beispiel von Apple über Google und Amazon bis hin zu Nestlé. Aber auch große deutsche Werte finden sich in diesem Index. "Jedes Mal, wenn Sie ihren Handyvertrag verlängern, sich einen Coffee to go kaufen, für das Frühstück einkaufen oder Ihre Medikamente aus der Apotheke abholen, verdienen die entsprechenden Firmen Geld", erklärt der Finanzexperte.

Anleger, die einen Aktienfonds kaufen, der diesen Index abbildet, können von den Erträgen dieser Unternehmen profitieren. "Wenn man sieht, wie unglaublich breit die Palette an Produkten und Dienstleistungen ist, wird klar, dass so etwas nichts mit Zockerei zu tun hat", erklärt Nauhauser. "Wenn die Erträge einer Handelskette zurückgehen, steigen womöglich die Erträge eines Online-Händlers. Durch diese Vielfalt sind große Verluste auf lange Sicht praktisch ausgeschlossen."

Da Börsen mitunter aber launisch sind, schwanken die Aktienkurse viel stärker als die tatsächlichen Erträge der Aktiengesellschaften. Anleger brauchen also ein gutes Nervenkostüm. Beruhigend dabei mag sein, gerade für Altersvorsorgesparer mit langem Anlagehorizont, dass hinter dieser Geldanlage Produkte stehen, die täglich gebraucht und gekauft werden, auch wenn die Börsen mal wieder verrückt spielen.