Düsseldorf - Er steigt und steigt und steigt - der deutsche Aktienindex Dax schient derzeit nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Inzwischen bewegt sich der Index auf die Rekordmarke von 10 000 Punkten zu. Sollte man jetzt noch investieren?

Egal ob Tokio, New York oder Frankfurt - Anlegern bietet sich fast überall das gleiche Bild: Die Kurse an vielen wichtigen Börsenplätzen steigen wieder. Keine Rede mehr von Schuldenkrise oder Lehmann-Pleite. "Die Aussichten sind gut", sagt daher Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf. Doch was bedeutet das für Kleinanleger? Lohnt sich der Einstieg auf diesem Niveau überhaupt?

"Sie sollten sich nicht von der Rekordjagd beunruhigen lassen", sagt Kurz. "Die Entwicklung findet ja nicht im luftleeren Raum statt." Und in der Tat: Die weltweite Konjunktur scheint wieder anzuziehen.

Doch es gibt einen Wermutstropfen: An vielen Anlegern in Deutschland geht dieser Aufschwung vorbei. "Aktie und Kapitalmarkt werden von der Gesamtheit der privaten Anleger nicht angemessen genutzt, insbesondere für die Langfristanlage", erklärte Christine Bortenlänger, Leiterin des Deutsche Aktieninstituts (DAI), kürzlich bei der Vorstellung der aktuellen Aktionärszahlen.

Zwar investieren viele Sparer ihr Geld angesichts historisch niedriger Zinsen inzwischen direkt in Aktien. So stieg die Gesamtzahl der Aktionäre in Deutschland laut DAI im ersten Halbjahr 2013 um 323 000 oder 7,1 Prozent. Damit hielten insgesamt 4,9 Millionen Anleger beziehungsweise 7,5 Prozent der Bevölkerung Aktien als Direktanlage. Doch das entspricht gerade mal ungefähr dem Stand von 2003.

Und jetzt kommt noch dieses hohe Niveau der Aktienindizes dazu. "Viele Anleger haben Angst vor dem großen Crash", sagt Jürgen Kurz. Die Erinnerung an die kräftigen Kurseinbrüche, die Anleger in der sogenannten Dotcom-Krise und auch nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers verkraften mussten, scheinen noch zu frisch sein. Doch aus Sicht des Wertpapierexperten ist die Situation diesmal eine andere: "Es gibt keine so große Übertreibung." Die Kurse seien von wirtschaftlichen Zahlen unterfüttert.

Zwar können die Kurse auch fallen. "Das Gute an der Börse ist aber: Niemand kann die Zukunft verlässlich voraussagen, auch die Profis nicht", erklärt Prof. Marin Weber von der Universität Mannheim. Kleinanleger sollten daher immer einige Regeln im Kopf behalten. "Sie sollten langfristig investieren", rät Weber. Denn wer zehn Jahre oder besser noch länger dabei bleibt, kann auch längere Verlustphasen überstehen. Und über lange Sicht entwickeln sich die Aktienmärkte meist positiv. Auch bei den derzeitigen Rekordkursen kann sich ein Einstieg daher noch lohnen - wenn Anleger genug Zeit mitbringen.

Anleger sollten außerdem immer nur einen Teil ihres Geldes an der Börse investieren. Andernfalls können Kursverluste das Vermögen empfindlich schmälern. "Verteilen Sie Ihr Geld besser", empfiehlt Weber. Im Aktiendepot selbst sollte ebenfalls nicht nur ein Titel liegen. "Wer in einzelne Werte investieren will, sollte das Geld über verschiedene Branchen verteilen, zum Beispiel in Unternehmen aus der Nahrungsmittel- oder der Chemie-Branche", sagt Kurz. Außerdem sollten Anleger generell nicht nur in einen Markt investieren, betont Weber. Diejenigen, die in verschiedenen Regionen investiert haben, können Verluste meist mit Gewinnen ausgleichen.

Ein weiterer Punkt, der für Aktien sprechen könnte: Bei Aktiengesellschaften geht es nicht nur um Kursgewinne. "Auch Dividenden spielen eine Rolle", erklärt Weber. Bei manchem Dax-Unternehmen ist die Rendite mit vier Prozent beachtlich.

Wer nicht direkt in einzelne Unternehmen investieren will, kann auch Fonds kaufen. Geeignet sind zum Beispiel börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs. Sie bilden einen Börsenindex nach, investieren also das Geld der Anleger in genau die Papiere, die in dem jeweiligen Index enthalten sind. "Wenn Sie einen ETF auf den Dax und einen auf den MDax kaufen, haben Sie fast ganz Deutschland in Ihrem Depot." Läuft die Konjunktur dann so gut wie erwartet, kann sich das lohnen.