Bochum - Immer mehr Menschen vertrauen ihr Geld lieber sozial und ökologisch ausgerichteten Banken an. Noch ist deren Marktanteil gering. Doch einer Studie zufolge ist das Wachstumspotenzial riesig.

"Wer nur um Gewinn kämpft, erntet nichts, wofür es sich zu leben lohnt." Das Zitat des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry prangt groß an der Zentrale der GLS-Bank in Bochum. Deutschlands größte Alternativbank will schon auf den ersten Blick deutlich machen, dass sie sich von "normalen" Geldinstituten unterscheidet.

Mit Geldanlagen nach sozialen und ökologischen Kriterien gehört die vor 40 Jahren gegründete Bank zu den großen Gewinnern der Finanzkrise. Allein im vergangenen Jahr steigerte sie ihre Bilanzsumme nach den aktuell veröffentlichten Zahlen um über 19 Prozent auf 3,24 Milliarden Euro.

Geld und Moral: Das gilt häufig als schwer vereinbar. Doch eine Gruppe alternativer Banken hat in den vergangenen Jahren in Deutschland aus der Geldanlage nach "ethischen" Kriterien ein erfolgreiches Geschäftsmodell gemacht. Die Finanzkrise wirkte auf sie wie ein Turbo.

"Wir haben uns in den letzten fünf Jahren etwa verdreifacht im Volumen - bei Kundenzahl, Einlagen und Krediten", berichtet etwa GLS-Bank-Chef Thomas Jorberg. Die Bochumer Bank steht nicht allein. Nach einer aktuellen Studie der auf den Finanzsektor spezialisierten Unternehmensberatung ZEB, konnten die vier in diesem Marktsegment wichtigsten Geldinstitute die Zahl ihrer Kunden zwischen 2008 und 2012 verdoppeln - und zwar "trotz höchstens im Mittelfeld des Marktes liegender Zinskonditionen".

Geldinstitute wie die GLS-Bank, die Umweltbank, die Ethikbank oder die Triodos-Bank bieten ihren Kunden die Gewissheit, dass mit ihrem Geld weder Kernenergie, noch Gentechnik, Kinderarbeit oder Rüstungsfirmen unterstützt werden. Stattdessen stecken sie die ihnen anvertrauten Summen in erneuerbare Energien, Bio-Landwirtschaft oder soziale Projekte. "Zur GLS-Bank kommt ein Kunde, wenn er wissen will, was mit seinem Geld passiert. Er sucht eine sinnvolle Geldanlage", sagt Jorberg. Es gehe darum, das Geld menschlich, zukunftsweisend und ökologisch anzulegen. "Das ist ein Mehrwert, den die Kunden echt erleben, auch wenn es kein monetärer Gewinn ist."

Verglichen mit den Marktführern wie der Deutschen Bank oder der Commerzbank sind die Alternativbanken Zwerge. Doch die konventionellen Geldhäuser müssen nach Einschätzung der Branchenkenner von der ZEB fürchten, dass sie in den nächsten Jahren noch deutlich mehr Kunden an die Alternativbanken verlieren. Eine Umfrage der ZEB ergab, dass mehr als 16 Millionen Menschen in Deutschland an derartigen sozial-ökologischen Bankangeboten interessiert sind. Gerade in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase, seien Banken "die ihren Kunden durch nachhaltige Geldverwendung ein weiteres Motiv für die Geldanlage aufzeigen können, klar im Vorteil", urteilen die Experten.

Dabei setzen die Alternativbanken durchaus unterschiedliche Schwerpunkte. Die GLS-Bank etwa fördert sowohl ökologische, als auch soziale Projekte. Ihr Geld fließt ebenso in Windkraftanlagen wie in Biobauernhöfe oder Pflegeheime. Dagegen stehen bei der Umweltbank der Ausbau regenerativer Energien und Umweltprojekte im Vordergrund. Neben der "normalen" Dividende weist sie für ihre Aktionäre auch die "ökologische Dividende" aus: So sei 2012 durch die Arbeit der Bank eine CO2-Einsparung von 406,8 Kilogramm je Aktie bewirkt worden.