Frankfurt/Main - Taugt Wald als Alternative zum "Betongold"? Was sich nach einem umweltfreundlichen Investment anhört, hat so seine Tücken, warnen Experten. Viele Waldbesitzer schätzen Neulinge ohnehin nicht.

Auf der Suche nach sicheren Anlagemöglichkeiten könnte manch vermögender Investor auf den deutschen Wald verfallen. Warum angesichts dauerhafter Niedrigzinsen und Immobilien-Höchstpreise nicht den Adeligen oder der Kirche nacheifern, die seit Generationen gut vom Holzverkauf leben können, und das eigene Vermögen auf ökologisch korrekte Art beieinander halten? "Die Suche nach Sachanlagen wird immer schwieriger", sagt der Frankfurter Börsenexperte Robert Halver von der Baader Bank. "Da könnte auch der Wald ins Visier rücken."

Doch eine echte Konkurrenz zum "Betongold" werden Deutschlands Wälder so schnell wohl nicht werden. Die Hürden sind einigermaßen hoch: Mindestens 100 Hektar sollte man für eine rentable Holzwirtschaft schon beisammen haben. Für ein eigenes Jagdrecht - auch das ein Traum manch solventen Anlegers - sind immerhin 75 Hektar vorgeschrieben. Der Einstiegspreis würde bei Quadratmeterpreisen um einen Euro bei mindestens 750 000 Euro liegen - wenn es überhaupt ein Angebot gäbe.

"Die Suche nach Wald ist in Deutschland wegen der hohen Rechtssicherheit existent. Aber es ist sehr schwer, Wald zu kaufen", erklärt Michael Freiherr von der Tann, Präsident des hessischen Waldbesitzerverbandes, der wie überall viele Adelige versammelt. Für sie wie auch für die bürgerlichen Waldbesitzer gilt der Grundsatz: "Wald verkauft man nicht, den vererbt man - und zwar ungeteilt."

Rund zwei Drittel des deutschen Waldes sind ohnehin in öffentlicher Hand, die auch nicht verkaufen will. Trennt sich doch einmal einer der langfristig orientierten Besitzer von einem Stück, haben meist die Nachbarn schon längst das Gras wachsen gehört und zugegriffen.

Trotz zuletzt konstant steigender Holzpreise hat die Wald-Rendite noch nicht die 5-Prozent-Marke erreicht, sagt von der Tann. Grund sind Pflegeauflagen sowie steigende Kosten für Ernte und Qualitätszertifikate, ohne die man am Markt nicht bestehen könne. Neulinge bräuchten zudem lange, um die Anlaufkosten zu kompensieren, die sich mit Grunderwerbsteuer, Notar und Gebühren auf fast 10 Prozent des Kaufpreises summierten. Auch die Grundsteuer wird jedes Jahr fällig. Waldflächen in Osteuropa oder Nordamerika böten da weit attraktivere Renditen.

Im Notfall könne man die aber schlecht versilbern, gibt Halver zu bedenken: "In der Krise braucht man den schnellen Zugriff." Es gebe gute Gründe, den Notgroschen vielleicht besser in Gold anzulegen.

Oder doch lieber Holzaktien? Die meist skandinavischen oder nordamerikanischen Holz-Aktiengesellschaften hängen eng mit der Zellstoff- und Sägewerksindustrie zusammen und sind starken Kursschwankungen unterworfen. "Das ist wahrscheinlich nicht das, was Leute als langfristige Anlage suchen", meint Halver.

Attraktiver sind da schon ganze Wälder in den USA - zumindest für institutionelle Anleger wie die Bayerische Versorgungskammer, die sich um die Altersvorsorge von 1,9 Millionen Selbstständigen und Freiberuflern kümmert. Wald ist in Nordamerika nicht nur deutlich billiger, er lässt sich auch gewinnbringender bewirtschaften, so dass höhere Renditen zu erwarten sind. "In Europa sind einfach die angebotenen Flächen zu klein", sagt eine Sprecherin der Kammer in München.

In Mecklenburg-Vorpommern bietet der regionale Tourismusverband mit Unterstützung prominenter Schauspieler wie Tatort-Kommissar Axel Prahl zwar sogenannte "Waldaktien" an. Doch um echte Wertpapiere geht es dabei keineswegs. Für 10 Euro gibt es unter "waldaktie.de" für Touristen immerhin das gute Gefühl zu kaufen, einen Beitrag zur Verbesserung der eigenen CO2-Bilanz geleistet zu haben. Mit den Spenden werden Bäume gepflanzt und gepflegt.