München - In Krisenzeiten ein Collier oder einen teuren Brillantring kaufen? Vor zwei Jahren boomte das Geschäft. Nun geht es ruhiger zu. Experten sehen Schmuck nicht als klassische Wertanlage an.

Den funkelnden Brillant lieber am Finger oder sicher im Banktresor? Wer sich für ein kostbares Schmuckstück entscheidet, sollte das weniger aus Anlagegründen machen. Zwar setzen die Menschen in Krisenzeiten gerne auf Sachwerte. Juweliere, Schmuck- und Uhrenhändler in Deutschland konnten vor zwei Jahren mit gut fünf Milliarden Euro einen Rekordumsatz verzeichnen. Doch unter Experten gilt ein Diamantencollier oder Brillantring nicht als Wertanlage im klassischen Sinne.

"Das ist mehr eine werthaltige Investition", sagt Branchenverbandsgeschäftsführer Joachim Dünkelmann. Vor allem bei Erbstücken liege der emotionale Wert oft höher als der Wiederverkaufspreis. "Wir verkaufen Glücksgefühle, nicht Aktien."

Dass Schmuck keine Wertsteigerung garantiert, darauf verweisen auch Verbraucherschützer. Der Wiederverkauf hänge von vielen Faktoren ab. Zu beachten sei, ob es sich um ein Sammlerstück handelt oder wie hoch der Materialwert eingeschätzt wird. "Und das Werturteil geben letztlich Juweliere oder Gutachter ab", sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern.

Wichtig seien Expertisen der führenden gemmologischen Institute, rät Nina Lindau-Thöne vom Kunstauktionshaus Van Ham in Köln. Schmuck werde meist aus emotionalen Gründen erworben. Für gängige Stücke werde bei Auktionen oft nur ein Viertel des ursprünglichen Verkaufspreises erzielt. Stark gefragt seien momentan Naturperlen sowie Diamantware im oberen Farb- und Reinheitsgrad. Als Wertanlage eigneten sich auch "feine Rubine und unbehandelte Saphire, aber einer guten Größe".

Nach Branchenangaben ist der Hang zu Pomp und Luxus derzeit nicht so stark ausgeprägt wie vor zwei Jahren. Der Trend gehe zu schlichter, dezenter Eleganz, vor allem im hochpreisigen Segment. Schmuck sei nicht mehr so "laut und schrill", berichtet Dünkelmann. Das ist auch auf der Fachmesse
Inhorgenta in München zu beobachten (14. bis 17. Februar), auf der sich rund 1200 Aussteller präsentieren.


Zu spüren bekamen die Schmuckhändler zudem die Talfahrt des Goldpreises im vergangenen Jahr. Zwar konnten sich die Kunden über niedrigere Verkaufspreise freuen, für das Geschäft war das aber schlecht. 2013 setzte die Branche mit ihren gut 9000 Betrieben 4,73 Milliarden Euro um - gut 5,5 Prozent weniger als im Boomjahr zuvor.

Ordentlich Geld in den Juwelierkassen lassen die vielen Shoppingtouristen. Vor allem betuchte Russen, Asiaten und Araber kommen gerne nach Deutschland zum Schmuck- und Uhrenkauf. Sie fliegen nach München, Frankfurt, Berlin, Hamburg oder Düsseldorf. "Das Geschäft mit den ausländischen Kunden macht mehr als 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus", sagt Dünkelmann. Gerade bei Asiaten gebe es eine starke Markenorientierung. "Die wissen schon vorher ganz genau, was sie haben wollen." Einige Reiseveranstalter bieten spezielle Bustouren zum Uhrenkauf in die Metropolen an.

Schmuck ist längst nicht mehr nur bei Frauen angesagt. Noch bis in die 1980er Jahre trug der Mann neben dem Ehering und der Uhr höchstens noch Manschettenknöpfe oder eine Krawattennadel. Mittlerweile ist Männerschmuck das am stärksten wachsende Segment, wie Trendexpertin Irmie Schüch-Schamburek betont. Es sei eine Enttabuisierung zu beobachten. "Bunte Freundschaftsbändchen sieht man beim Geschäftsmann wie am Surfer." Außerdem gehe der Trend zum Hightech-Schmuck: Energiebänder aus Kunststoff oder Kautschukbändchen.