Frankfurt/Main - Verbraucher in Europa dürfen sich auf Jahre mickriger Inflationsraten freuen: Die geringe Teuerung stärkt die Kaufkraft. Gleichzeitig wird die EZB die Zinsen noch lange extrem niedrig halten. Das ist gut für Kreditnehmer, aber schlecht für Sparer.

Mario Draghi hat sein Versprechen am Donnerstag (6. März) untermauert: Die Zinsen im Euroraum werden noch lange niedrig bleiben. Das soll die Kreditnachfrage stimulieren und den Konsum - und damit die Konjunktur - anschieben. Für Sparer ist die Nachricht allerdings schlecht. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Warum hält die EZB die Zinsen so niedrig?


Europas Währungshüter erwarten, dass die Inflation im Euroraum noch bis mindestens 2016 sehr niedrig bleiben wird - wegen der geringen Rohstoffpreise, der schwachen Konjunktur und der Reformen in den Euro-Krisenländern. Daher kann die EZB das Geld weiter billig halten. Notenbank-Präsident Draghi bekräftigte am Donnerstag, dass der Zins noch "über einen längeren Zeitraum" auf dem aktuellen Niveau von 0,25 Prozent verharren oder sogar noch einmal gesenkt wird. Und das auch, wenn sich die Wirtschaft belebt.

Wem bringen die niedrigeren Zinsen etwas?


Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite. Die EZB hofft, dass sich dadurch mehr Unternehmen und Privatpersonen Geld bei den Banken leihen und damit mehr investieren und konsumieren - und dass sie so die gesamte Konjunktur anzuschieben. Prinzipiell ist billiges Geld gut für alle Schuldner - auch für Staaten, die ihre Schulden nun günstiger refinanzieren können. Aber auch Verbraucher, die eine Waschmaschine, ein Auto oder ein Haus finanzieren wollen, profitieren davon. Liane Buchholz, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), warnt jedoch vor möglichen Blasen: Sie sieht die Gefahr, dass durch die geringen Kreditkosten Fehlanreize bei Kreditnehmern entstehen.

Was bedeuten niedrige Zinsen für Sparer?


Niedrige Zinsen werden in der Regel relativ schnell an die Kunden weitergereicht. Verbraucherschützer machen immer wieder die Erfahrung, dass Banken eine Leitzinssenkung schneller umsetzen als eine Erhöhung, wenn es um Produkte zugunsten der Kunden geht. Seit Monaten werfen klassische Sparprodukte wie Tages- oder Festgeld kaum noch Rendite ab. So wird es immer schwieriger, fürs Alter vorzusorgen. Buchholz warnt: "Bereits heute ist die Belastung für Sparer und Kreditinstitute hoch. Damit ist nicht nur der Gelderhalt der Kunden in Gefahr, sondern es steigen auch die Zinsänderungsrisiken für die Institute erheblich."

Gibt es Alternativen für Privatanleger?


In den letzten Jahren brachten Aktien kräftige Gewinne. Doch die meisten Deutschen machen einen großen Bogen um die Börsen. Max Herbst von der unabhängigen FMH-Finanzberatung betont: "Viele Kunden akzeptieren Zinssätze von 0,25 Prozent klaglos." Dabei gebe es durchaus bessere Angebote: Bis zu 1,4 Prozent Zinsen könnten Kunden auf guten Tagesgeldkonten bekommen. Für 5000 Euro auf einem Festgeldkonto gibt es bis zu 1,7 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten und bei einer Laufzeit von 3 Jahren sogar bis zu 2,15 Prozent Zinsen (Stand 06.03.14).

Worauf sollten Verbraucher achten?


Wer jetzt ein neues Angebot sucht, sollte nach langen Garantiezeiten Ausschau halten. "Manche Geldinstitute garantieren ihren Kunden den Zinssatz 12 Monate lang", erklärt Herbst. Damit können sich Verbraucher vor einer weiteren Zinssenkung der EZB wappnen. Auch eine längere Festgeldanlage sollten Verbraucher in Erwägung ziehen. "Wenn Sie länger nicht über das Geld verfügen müssen, kann sich das lohnen", sagt Herbst. Denn die angebotenen Zinssätze lägen meist über der derzeitigen Inflationsrate, die in Deutschland im Februar um 1,2 Prozent lag.