Berlin - Sein Vermögen wachsen sehen will jeder. Auf dem klassischen Sparbuch ist das aber angesichts des Zinstiefs quasi unmöglich. Kleinanleger investieren ihr Geld oft in Fonds, zum Beispiel in Dachfonds. Die haben jedoch häufig ihre Tücken.

Fonds gibt es viele. Sie investieren in Aktien, in Rentenpapiere oder beides, in Immobilien oder andere Sachwerte. Und manche Fonds investieren in Fonds. Diese Produkte nennen sich Dachfonds. Der Vorteil: "Anleger können mit einer Anlagesumme an der Wertentwicklung von mehreren Fonds teilnehmen", erläutert Patrick Arora vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin.

Das wirkt zunächst attraktiv - vor allem für Anleger, die das Risiko streuen wollen. "Gerade bei weniger risikobereiten Kunden ergibt sich die Möglichkeit, durch eine Bündelung von mehreren Fonds in einem Anlageprodukt eine gute Mischung aus Fonds mit risikoreicheren und risikoärmeren Anlagen vornehmen zu können", sagt Arora. Ein weiterer Pluspunkt: "Der Dachfondsmanager steuert die Anlage der Kundengelder in den unterschiedlichen Zielfonds und kann je nach Marktlage und Anlagebedingungen Umschichtungen vornehmen."

Solche Umschichtungen sind sogar steuerfrei, die Abgeltungssteuer fällt weg. Grundsätzlich aber gilt, dass Anleger auch bei Dachfonds auf ihre Kapitalerträge wie Zinsen und Dividenden einheitlich 25 Prozent Abgeltungssteuer zahlen. Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer werden ebenfalls fällig. Die Abgeltungssteuer fällt auch bei Erträgen und Gewinnen über dem Sparerpauschbetrag an.

Insgesamt 966 Dachfonds gibt es derzeit in Deutschland, das sind sechs Prozent aller für Privatpersonen frei zugänglichen Fonds. Bei den größten Dachfonds handelt es sich häufig um Tochtergesellschaften von Banken und Sparkassen. "Für Privatanleger gibt es bei Dachfonds mitunter auch die Möglichkeit, in Fonds zu investieren, die ansonsten für sie nicht zugänglich wären", sagt Thomas Krüger von der Stiftung Warentest in Berlin.

Risiken streuen, Umschichtungen steuerfrei - das alles spricht für Dachfonds. Doch in jeder Hinsicht überzeugen sie nicht. In der Kritik stehen vor allem die hohen Kosten: "Die laufenden Kosten sind bei Dachfonds durchschnittlich um 50 Prozent höher als bei anderen Fonds", erklärt Krüger. Der Grund: Der Anleger muss für das Management sowohl der einzelnen Fonds als auch der Dachfonds zahlen. Hinzu kommen noch Kapitalanlagekosten. "Insgesamt liegen die laufenden Kosten bei Dachfonds pro Jahr bei durchschnittlich rund 2,4 Prozent, bei herkömmlichen Fonds dagegen bei 1,6 Prozent", so Krüger.

Zu den laufenden Kosten kommen beim Kauf des Dachfonds in der Regel einmalige Kosten wie der Ausgabeaufschlag hinzu. "Über dessen Höhe kann der Anleger häufig mit der Bank verhandeln", sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Bei höheren Anlagesummen gibt es oft einen Rabatt. In aller Regel werden keine Ausgabenaufschläge fällig, wenn innerhalb des Dachfonds einzelne Fondsanteile erworben werden.

"Ein Ärgernis bei Dachfonds sind häufig die versteckten Gebühren", betont Oelmann. So müssten Anleger mitunter eine "Erfolgsgebühr" entrichten. Das Problem sei aber, dass in dem Zusammenhang "Erfolg" ungenau definiert sei.

Wer sich nach Abwägung aller Argumente für einen Dachfonds entscheidet, sollte auf bewährte Fonds setzen, die seit mindestens fünf Jahren am Markt sind. Das empfiehlt auch Thomas Krüger: "Bei neu aufgelegten Dachfonds sollten Anleger vorsichtig sein." Oft würden sie zwar von Anbietern gelobt. Aber niemand wisse, wie erfolgreich sie wirklich sind. "Es gibt gute, aber leider auch viele schlechte Dachfonds", erklärt Krüger. Der Anleger wisse in aller Regel erst im Nachhinein, ob seine Entscheidung richtig war oder nicht.

Nicht immer sind die Fonds, in denen die Dachfondsmanager investieren, die besten, manchmal sind die Produkte auch zweit- oder gar drittklassig. Das bekommt der Anleger aber nicht unmittelbar mit. Informationen über die Transaktionen zwischen Dachfonds und den einzelnen Fonds gibt es üblicherweise nur alle sechs Monate. "Der Anleger weiß also nicht, was genau in der Zwischenzeit mit seinem Geld passiert, insofern sind Dachfonds intransparent", so Oelmann.

"Anleger sollten das Gesamtpaket eines Dachfonds unter die Lupe nehmen und prüfen, ob das Angebot wirklich mehr leisten kann als die einzelnen Fonds für sich", erklärt Oelmann. Grundsätzlich empfiehlt sie, informiert in ein Beratungsgespräch zu gehen und nachzufragen. Ebenfalls wichtig: Alle Verkaufsargumente sollten schriftlich festgehalten und vom Berater gegengezeichnet werden - so haben Verbraucher im Fall einer Falschberatung bessere Karten in der Hand.