Berlin - Wenn das schicke Kleid aus dem Internet-Portal doch nicht passt, war es bisher leicht, das gute Stück wieder loszuwerden. Einfach schnell zurückschicken - und nichts bezahlen. Ab dem 13. Juni wird das anders. Und oft auch teurer.

Wer Waren über das Internet kauft und sie wieder zurückschicken will, muss sich ab Mitte Juni umstellen. Das kommentarlose Zurücksenden von Bestellungen innerhalb von zwei Wochen sei dann nicht mehr möglich, sagte Eva Bell, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin am Freitag (23. Mai). "Verbraucher müssen künftig ausdrücklich den Widerruf ihres Kaufs erklären, am besten schriftlich", ergänzte sie. Das gelte für Online-Bestellungen wie auch den Katalog-Versandhandel. Neu ist auch, dass Kunden Rücksendekosten generell selbst tragen müssen. Bisher galt das in Deutschland in der Regel nur für einen Warenwert unter 40 Euro.

Grund für die Änderungen ab 13. Juni ist eine Angleichung der Regelungen in der Europäischen Union. Während andere EU-Staaten von den neuen Vorschriften profitieren, weil der Online-Handel dort weniger geregelt war, müssen deutsche Kunden Abstriche hinnehmen - nicht nur bei der Bequemlichkeit. "Deutsche Verbraucher müssen umdenken und können nicht mehr ihrer Routine folgen", ergänzte Bell.

Große Online-Versandhändler hätten zwar bereits angekündigt, dass sie die Kosten für Rücksendungen auch weiterhin übernehmen wollen. Aber grundsätzlich müssen sich Kunden vor einer Bestellung künftig mehr mit dem Kleingedruckten in den Verträgen beschäftigen.

Die Beratungen nach Online-Geschäften haben bei der
Berliner Verbraucherzentrale bereits 2013 weiter zugenommen. Das habe vor allem mit dem veränderten Verhalten von Kunden zu tun, erläuterte Bell. Je mehr moderne Medien für Bestellungen genutzt würden, desto häufiger träten auch Probleme damit auf. "Besonders viele Beschwerden gibt es zum Telekommunikationsmarkt." Schwierig werde es vor allem, wenn Verträge am Telefon abgeschlossen worden seien.


Im vergangenen Jahr haben sich rund 50 000 Menschen mit ihren Sorgen an die Berliner Verbraucherzentrale gewandt; rund 22 000 ließen sich persönlich beraten. Bei mehr als 9000 von ihnen ging es um Schulden und Insolvenz. Eine Einzelberatung kostet je nach Problem in der Regel zwischen 15 und 40 Euro. Nur beim Thema Bauen wird es teurer: bis zu 120 Euro.