Bärenklau/Potsdam - Einbrüche und Diebstähle stellen die Polizei zunehmend vor Probleme. Die Kriminalitätsstatistik weist eindeutig nach oben. Manche Bürger lassen sich inzwischen selbst etwas einfallen.

"Manchmal muss man die Sache selbst in die Hand nehmen, wenn man etwas bewegen will", sagt Klaus Oeder. Die wachsende Zahl von Einbrüchen in Bärenklau hat ihn aktiv werden lassen. Vor vier Jahren verzeichnete die Gemeinde rund 30 Kilometer von Berlin Rekordwerte. "Gemessen an der Einwohnerzahl waren wir damit Spitzenreiter in Brandenburg", schildert der 65-Jährige. Seit 2012 patrouillieren sogenannte Sicherheitspartner durch den Ort - und die Zahl der Einbrüche ist deutlich gesunken. "In diesem Winter hatten wir keinen einzigen", berichtet Oeder. Im restlichen Landkreis Oberhavel wurden dagegen steigende Einbruchszahlen registriert.

Deutschlandweit ist es ähnlich - das zeigt die Kriminalitätsstatik 2013, die am Mittwoch (4. Juni) vorgestellt wurde. Bundesweit gab es demnach im vergangenen Jahr 149 500 Wohnungseinbrüche. Das ist der höchste Wert seit 15 Jahren.

22 Ehrenamtliche - vom Rentner bis zur berufstätigen jungen Mutter - engagieren sich in Bärenklau als Sicherheitspartner und drehen mit dem Auto oder auf dem Fahrrad ihre Runden. "Wir beobachten, ob sich jemand auffällig verhält. Manche Menschen sprechen wir an", schildert Oeder. Polizei und Potsdamer Innenministerium unterstützen das bürgerschaftliche Engagement - wenn der Rahmen stimmt.

"Sicherheitspartnerschaften ja - Bürgenwehren nein", betont Ingo Decker vom Innenministerium. "Es kann niemand an der Polizei vorbei Recht ausüben." Der Duden erklärt eine Bürgerwehr als "Gesamtheit der von Bürgern einer Gemeinde gebildeten bewaffneten Einheiten". Nach dieser Definition gibt es so etwas in Deutschland nicht. Bundesweit jedoch greifen Menschen wegen steigender Einbruchszahlen durchaus zur Selbsthilfe. So wollen Geschäftsleute im baden-württembergischen Tiefenbronn nach wiederholten Einbrüchen einen privaten Wachdienst engagieren. In Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen haben Anwohner eine Sicherheitsfirma engagiert, die eine Villengegend schützen soll.

Auch in Brandenburg beobachtet das Innenministerium ab und an Gruppierungen, die sich als "Hilfssheriffs" aufführen. Insbesondere im Grenzgebiet zu Polen, wo steigende Diebstahls- und Einbruchszahlen für Ärger sorgen, sei dies der Fall. "Diese versuchen wir - wann immer es möglich ist - als Sicherheitspartner zu gewinnen", erklärt Ministeriumssprecher Decker.

Grundlage der Zusammenarbeit von Polizei und Initiativen ist ein Erlass zur "Kommunalen Kriminalitätsverhütung" (KVV). Er regelt Zuständigkeiten, Zusammenarbeit und Teilnahme. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter werden von den Einwohnern vorgeschlagen und von der Polizei überprüft. In einem Fragebogen müssen sie beispielsweise beantworten, ob sie vorbestraft sind, in der DDR für die Staatssicherheit tätig waren oder einen Waffenschein besitzen.

Bundesweit gibt es ähnliche Kooperationen. In Nordrhein-Westfalen läuft sie unter dem Namen Ordnungspartnerschaft und ist mit Brandenburgs Konzept vergleichbar. Ähnlich angelegt ist auch die bayerische Sicherheitswacht. In Baden-Württemberg dagegen gibt es einen freiwilligen Polizeidienst, wo die Mitglieder Uniform tragen.

"Grundsätzlich handeln Sicherheitspartner als Bürger ohne hoheitliche Befugnisse im Rahmen sogenannter Jedermannsrechte", erklärt Polizeisprecher Keck für Brandenburg. "Das Tragen von Waffen ist während der Tätigkeit grundsätzlich verboten - auch wenn einzelne Personen sonst dazu berechtigt sein sollten."

"Wichtig ist, dass keine kommunale Hilfspolizei entsteht", sagt Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes in Brandenburg. "Bürgermeister und Kommunen samt Ordnungsamt sind gut beraten, Initiativen zu beobachten und in die richtigen Bahnen zu lenken." Bislang seien ihm keine Auswüchse bekanntgeworden.

"Es geht um Achtsamkeit. Die überträgt sich auch auf die Bewohner", betont Sicherheitspartner Oerder. Die Zusammenarbeit mit der Polizei läuft aus seiner Sicht gut. "Wir registrieren Auffälligkeiten und melden sie - den Job macht die Polizei."