Düsseldorf - Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Der Leitzins im Euroraum sinkt noch einmal - auf das Rekordtief von 0,15 Prozent. Für Verbraucher ist das eine schlechte und eine gute Nachricht. Höchste Zeit, die eigenen Finanzen auf den Prüfstand zu stellen.

Europas Währungshüter machen ernst: Auf 0,15 Prozent sinken die Leitzinsen im Euroraum, entschied die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag (5. Juni) auf ihrer Sitzung. Die Hoffnung dahinter: Die niedrigen Zinsen sollen die immer noch schwächelnde Konjunktur ankurbeln. "Als Sparer macht das derzeit keinen Spaß", sagt Annabnel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Doch es gibt auch Profiteure: Immobilienkäufer können sich auf weiter sinkende Kreditzinsen einstellen.

Dennoch muss niemand in Panik verfallen. Denn die Auswirkungen werden Sparer vermutlich nicht sofort spüren. "Der Leitzins gibt natürlich die Richtung vor", erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das heißt: Sinkt der Leitzins, werden auch die Sparzinsen voraussichtlich sinken. Allerdings passen die Geldinstitute ihre Zinsen erfahrungsgemäß nicht sofort an. Daher ist jetzt ein guter Zeitpunkt, einen kritischen Blick auf die eigenen Finanzen zu werfen.

Gründsätzlich gilt: "Ihre Anlageentscheidungen sollten Sie nicht von der Zinshöhe abhängig machen", empfiehlt Nauhauser. "Denn es hängt immer von Ihren persönlichen Lebensumständen ab, was für Sie geeignet ist." Das sieht auch Annabel Oelmann so. Allerdings könnten Anleger derzeit kaum Rendite erzielen, wenn sie zu 100 Prozent auf Sicherheit setzten. Ihr Tipp: "Verteilen Sie ihr Geld auf verschiedene Produkte."

Für Vorsichtige sind hier vor allem Zinsprodukte geeignet - wie ein Sparbrief oder ein Tagesgeldkonto. Eine Faustformel: Je länger der Anlagezeitraum, desto höher die Zinsen. "Es gibt Geldinstitute, die für langfristige Sparanlagen 3 Prozent Zinsen zahlen", sagt Nauhauser. Allerdings beträgt der Anlagezeitraum hier 10 Jahre. Sparbriefe mit einer Laufzeit von 5 Jahren bringen bei guten Anbietern laut der FMH-Finanzberatung immerhin noch bis zu 2,4 Prozent Zinsen (Stand 05.06.14).

Bei Tagesgeldkonten gibt es weniger: Bis zu 1,3 Prozent Zinsen sind laut FMH derzeit maximal möglich. Doch auch hier kann sich ein Wechsel gerade jetzt lohnen. "Achten Sie darauf, dass der Zinssatz über einen längeren Zeitraum garantiert ist." Dann sind Sparer von Zinssenkungen erst einmal geschützt. Allerdings gibt es solche Angebote häufig nur für Neukunden.

"Am besten ist es, wenn Sie Ihr Geld aufteilen", sagt Oelmann. Ein Teil des Vermögens könne länger angelegt, ein Teil auf einem Tagesgeldkonto geparkt werden. "Legen Sie das Geld aber nicht zu lange fest an", empfiehlt Oelmann. "Sonst können Sie nicht schnell reagieren, wenn die Zinsen wieder steigen sollten." Empfehlenswert sei ein Anlagezeitraum von maximal 3 Jahren.

Doch eines ist klar: Wirklich reich wird man auf diese Weise nicht. "Rendite können Sie nur erzielen, wenn Sie ein wenig mehr Risiko in Kauf nehmen", erklärt Oelmann. Aus Sicht der Finanzexperten bieten sich hier im Moment Aktien an, die je nach Risikobereitschaft dem eigenen Depot beigemischt werden können. "Allerdings müssen Sie dafür auch das Nervenkostüm mitbringen", sagt Niels Nauhauser. Denn Aktien schwanken im Kurs. "Eine Gewähr, dass Anleger Gewinne machen, gibt es daher nicht", erklärt der Finanzexperte.

Deshalb sollten bei der Aktienanlage einige Regeln beachtet werden: Statt in Einzelwerte sollten Anleger breitgestreut in unterschiedliche Werte, Branchen und Märkte investieren. Eine Möglichkeit sind börsengehandelte Fonds, sogenannte ETFs, die einen breiten Index wie zum Beispiel den deutschen Aktienindex Dax oder den weltweiten MSCI World Index abbilden. Allerdings sind die Kurse in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. "Sie sollten sich daher auch auf Rückschläge einstellen."

Wer Zeit hat, kann solche Kursverluste oft wieder ausgleichen. Denn auf lange Sicht entwickeln sich Aktien in der Regel positiv. Ein Beispiel: Ein Anleger hat 1995 in den deutschen Aktienindex Dax investiert und die Papiere bis 2010 gehalten. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) erzielte der Anleger in diesem Zeitraum eine jährliche Rendite von 7,8 Prozent - und das obwohl hier sowohl die geplatzte Internetblase als auch die Immobilienkrise die Kurse zwischenzeitlich deutlich in den Keller gedrückt haben.

Freuen über die Zinssenkung können sich hingegen Kreditnehmer. Auch hier erwarten die Experten, dass die Zinssenkung weitergegeben wird. "Allerdings dauert das meist ein wenig länger als bei den Sparzinsen", hat Annabel Oelmann beobachtet. Bei Zinsen für Raten- und Dispokredite sollten Verbraucher gut vergleichen. "Denn die Spanne zwischen den einzelnen Angeboten ist schon jetzt groß."

Immobilienkäufer können sich nach der EZB-Entscheidung Zeit lassen für ihre Finanzierung. Denn die ohnehin schon auf einem Rekordtief liegenden Zinsen werden sobald voraussichtlich nicht steigen. Um davon möglichst lange zu profitieren, empfiehlt sich eine längere Zinsbindung von 15 Jahren oder mehr. Grundsätzlich sollten Käufer den Zinsvorteil für sich nutzen: "Investieren Sie mehr in die Tilgung", rät Oelmann. "Dann sind Sie schneller schuldenfrei."