Frankfurt/Main - Die Fußball-WM macht die Finanzbranche erfinderisch: Mit speziellen Sparprodukten wollen Banken Anleger locken. Die gute Nachricht: Verlieren kann man mit den meisten Angeboten nichts. Aber in der Regel bringen "Fanbonus" und Co. auch nicht viel.

4:0! Der Auftaktsieg der
deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der
Weltmeisterschaft dürfte auch bei vielen Anlegern in Deutschland Glücksgefühle auslösen. Denn je mehr Tore Jogis Jungs schießen und je weiter sie in Brasilien kommen, umso besser verzinst sich manche Geldanlage. "Fanbonus", "Zins-Kick", "
Weltmeistersparen", "Dreamteam aus Festgeld und Fonds" - seit Wochen rührt die Finanzbranche die Marketingtrommel für Sparangebote zur WM. Fans können per
Zertifikat wetten, wer das Finale am 13. Juli gewinnen wird, selbst Verbraucherkredite kommen mit WM-Label daher.


"Die wenigsten dieser Produkte machen von der Renditeseite her Sinn", urteilt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Finanzbranche versuche, "auf der Aufmerksamkeitswelle mitzuschwimmen", meint Kurz: "Der Bezug zur WM ist oft sehr verquast, oft ist das nicht mehr als ein Marketing-Gag."

Die HSH Nordbank etwa lehnt sich bei der gestuften Verzinsung ihrer "
Fußball-Anleihe 2014" an die bisherigen deutschen WM-Titel an: 1,54 Prozent, 1,74 Prozent, 1,90 Prozent, 2,014 Prozent. Die Commerzbank - Werbepartner der DFB-Elf - spielt ebenfalls damit: Erreicht das deutsche Team das Viertelfinale, erhöht sich bei ihrem Festgeldangebot die Mindestverzinsung von 0,35 Prozent auf 0,54 Prozent. Fürs Halbfinale gibt es 0,74 Prozent, der Finaleinzug bringt 0,90 Prozent und sollte Deutschland Weltmeister werden, bekommen Anleger 1,14 Prozent auf ein Jahr.


Für diese Produkt ließen sich nach Angaben der Bank 10 300 Anleger begeistern, insgesamt legten sie 214,5 Millionen an. "Das ist in der derzeitigen Niedrigzinsphase ein guter Wert", sagt ein Commerzbank-Sprecher.

Viele der WM-Sparangebote sind so gestrickt: Etwas attraktivere Zinsen gibt es nur, wenn Müller, Klose, Poldi und Co. viele Tore schießen und/oder Weltmeister werden. Ansonsten bleibt es bei den derzeit üblichen mageren Zinssätzen für Festgeld.

Die Experten von "Finanztest" haben insgesamt
25 Festzinsanlagen, Sparpläne und Kombiprodukte geprüft, die an das Abschneiden der deutschen Elf bei der Fußball-WM geknüpft sind. Ihr Fazit: "Die gute Nachricht: Mit WM-Sparangeboten können Anleger meist nichts verlieren." Doch Produkte mit attraktiven Renditechancen seien rar.


Manche Volksbank etwa bietet je Tor, das die deutsche Mannschaft in Brasilien erzielt 0,01 Punkte Zinsaufschlag. Um solche Angebote attraktiv zu machen, wären etwa 100 Tore nötig, meint "Finanztest": "Das hat in der langen Geschichte der Fußball-WM noch nie ein Team auch nur annähernd geschafft." Positive Beispiele gibt es aber auch: Denn manches Institut bietet - allerdings häufig regional begrenzt - für einen deutschen Finalsieg eine verhältnismäßig hohe Verzinsung an. Und das in Zeiten, in denen die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen im Euroraum quasi abgeschafft hat.

Die meisten Banken kalkulieren ihre Zinsversprechen vorsichtig, viele locken lieber mit Gewinnspielen. Die Volksbank Ruhr Mitte zum Beispiel kombiniert ihr "
WM-Sparbuch" mit monatlichen Verlosungen - Hauptgewinn: eine Endspiel-Grillparty.


Party wäre auch für risikobereite Investoren angesagt, die sich auf eine Finanzwette einlassen - und gewinnen: Beispielsweise hat die Extra Sportwetten AG (Wien) für jede der 32 WM-Mannschaften ein Zertifikat auf den Markt geworfen. Wer damit etwa auf den sechsten Titel für Gastgeber Brasilien tippt, kann für knapp 30 Euro Einsatz Mitte Juli nach dem Finale 100 Euro kassieren - das entspricht 233 Prozent Gewinn. Noch größer ist die Gewinnspanne bei einem Finalsieg Deutschlands (Ausgabepreis des Zertifikats: 19,50 Euro). Wer auf Italien setzt, kommt bei einem Einsatz von 4,50 je Papier gar auf unglaubliche 2122 Prozent Gewinn. Die Kehrseite: Scheidet ein Team vorzeitig aus, ist der Zertifikate-Anleger sein Geld komplett los.