Mainz - Kunden, die zu wenig wissen, und Unternehmen, die das ausnutzen: Die Verbraucherzentrale in Rheinland-Pfalz warnt nach neuen Produkttests vor Fallen. Bei Smartphones, E-Books und bei Angeboten fürs Ersparte.

Achtsamkeit bei Geldanlagen ist geboten - zumindest nach Ansicht der Verbraucherzentrale in Rheinland-Pfalz. Der Verein übt nach einem Test von Anlageprodukten deutliche Kritik. "Die Untersuchung war, man kann es sagen, katastrophal", sagte die Referentin für Finanzdienstleistungen, Sylvia Beckerle, in Mainz. Dem Marktcheck zufolge fallen 87 Prozent der derzeit auf dem Markt empfohlenen Produkte zur Geldanlage durch, weil sie dem Bedarf der Verbraucher nicht entsprechen.

Ursache dafür seien die Provisionen für Bankmitarbeiter, sagte Beckerle. "Im Zweifel werden die Berater das Produkt empfehlen, das ihnen die höhere Provision bringt, und nicht, was für den Verbraucher in dem Moment sinnvoll ist."

Insgesamt 73 Prozent der angebotenen Produkte erwiesen sich in der Studie, an der sich neben der rheinland-pfälzischen auch Verbraucherzentralen aus Hamburg, Baden-Württemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen beteiligten, als zu teuer und 51 Prozent als zu unrentabel. Auch zu unflexibel (40 Prozent) und zu riskant (34 Prozent) sind die Geldanlagen aus Sicht der Verbraucherzentrale.

Zudem habe sich auch fast jedes zweite Anlageprodukt, das bereits verkauft wurde, als nicht bedarfsgerecht gezeigt. Für den Marktcheck wurden insgesamt knapp 300 Fälle aus dem Zeitraum zwischen August 2012 und September 2013 geprüft. Das Ergebnis der Studie sei ein Armutszeugnis, sagte Beckerle. "Die Kunden sind in der Verkaufssituation nicht auf Augenhöhe mit den Beratern der Bank."

Diesen Vorwurf wies die Deutsche Kreditwirtschaft zurück. Der Verband der Kreditinstitute in Deutschland unterstütze - wie schon im vergangenen Jahr - die Forderung, die Bedürfnisse der Kunden in den Vordergrund der Beratung zu stellen, teilte ein Sprecher mit.

Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale sind jedoch nicht nur Bankkunden zu wenig informiert - sondern auch Kunden von Internetportalen, die E-Books verkaufen. Das ergab ein weiterer Marktcheck der Verbraucherschützer. Die getesteten Buchportale gäben zwar die wichtigsten Informationen, sagte Martina Totz, Fachberaterin für Telekommunikation und Medien. "Allerdings sind sie für den Verbraucher häufig nicht leicht zu finden und auch nicht leicht zu verstehen." Dabei setze kein Portal die Kunden darüber in Kenntnis, dass sie durch verschiedene Dateiformate und Kopierschutz eingeschränkt würden. Die Verbraucherzentrale forderte daher, dass die Formate für alle Geräte kompatibel gemacht werden.

Im Umgang mit Smartphones und Tablets warnte die Organisation zudem vor der sogenannten Profilbildung. Diese Methode ermöglicht es Anbietern, personalisierte Daten zu sammeln. "Das Problem ist, dass sich dadurch möglicherweise das Angebot für den Verbraucher verknappt", sagte Rechtsreferent Christian Gollner. Man bekomme Angebote möglicherweise sogar nur zu dem Preis, den man bereit sei zu zahlen - da Einkommen und Ausgaben bekannt seien.