Berlin - Kontaktloses Bezahlen kommt in Deutschland nur schleppend voran. Der Kreditkarten-Spezialist Mastercard will das ändern und schreibt vor, dass ab 2015 alle neuen Terminals den NFC-Nahfunk unterstützen müssen. Alte Geräte sollen bis 2018 umgerüstet sein.

Der Kreditkarten-Konzern Mastercard macht Druck für eine schnellere Verbreitung kontaktloser Bezahlsysteme in Deutschland. Mit allen neu aufgestellten Kassen in Geschäften, die Mastercard-Zahlungen akzeptieren, soll ab dem 1. Januar 2015 auch kontaktloses Bezahlen möglich sein. Alte Terminals werden ausgetauscht oder mit einem Update versehen. Auf diese Weise sollen in Deutschland spätestens ab 2018 alle für MasterCard zertifizierten Terminals für die kontaktlose NFC-Technologie bereit sein.

Die Branche versucht schon länger, den Nahfunk als Standard für künftige Bezahldienste zu etablieren, auch weil er die Tür zu digitalen Portemonnaies in Smartphones öffnet. In Deutschland kam sie aber bisher nicht weit. Nach Schätzungen sind hierzulande nur etwa fünf Prozent der 700 000 Mastercard-Akzeptanzstellen für das kontaktlose Bezahlen ausgerüstet. In Polen ist es hingegen rund jedes vierte Terminal.

Der jetzt angekündigte NFC-Zwang dürfte die Entwicklung hierzulande beschleunigen. "Deutschland zählt zu den strategisch wichtigen Märkten für uns", betonte Mastercard-Landeschef Pawel Rychlinski. Einmal installiert, wären die Kassen auch für andere Kartenanbieter und Handy-Bezahlsysteme offen. Während diverse Android-Smartphones NFC-Chips haben, verzichtete Apple in seinen iPhones bisher darauf. Es wird spekuliert, dass sich das mit dem nächsten Modell im Herbst ändern könnte.

Inzwischen wächst die Zahl der Smartphone-Brieftaschen weiter. Am Dienstag (15. Juli) kündigte auch die Mobilfunk-Marke Base ein eigenes Angebot an. Die NFC-Technologie wurde bisher oft skeptisch beäugt. Kritiker verwiesen auf zu geringe Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Verfahren beim Bezahlen mit Bankkarten.

Inzwischen kommen aber auch aus dem Lager bisheriger Gegner sanftere Töne. So wetterte beim Bezahldienst PayPal der bisherige Chef David Marcus, der die Firma vor kurzem in Richtung Facebook verließ, stets gegen NFC als "eine Technologie auf der Suche nach einem Problem". Jetzt schließt Produktchef Hill Ferguson nicht aus, dass auch PayPal die Technik integrieren könnte. "Dinge in diesem Ökosystem ändern sich, und NFC scheint heute attraktiver als vor einem halben Jahr." Außerdem sei die Situation in einzelnen Märkten unterschiedlich: In Australien sei NFC zum Beispiel deutlich mehr verbreitet als in Deutschland. "Dort, wo diese Technologie akzeptiert wird, werden auch wir sie nutzen", sagte Ferguson.

Zugleich treibt PayPal aber auch sein eigenes Verfahren voran, bei dem das Einchecken per Smartphone Bankkarten und Bargeld ersetzen soll. Am Dienstag wurde eine Kooperation mit dem Anbieter von Gastronomie-Kassensystemen Orderbird bekanntgegeben. Aktuell sei das Bezahlen mit dem Smartphone in 75 Gaststätten möglich, darunter in Hamburg, Köln, Frankfurt und München. Bis Ende des Jahres 2015 will PayPal das Verfahren in 2000 Restaurants in Deutschland anbieten.

Geplant ist außerdem eine Erweiterung mit der Beacon-Technologie: So könnten Kunden automatisch die Signale eines Bluetooth-Senders im Restaurant empfangen und mit ihrem PayPal-Konto "einchecken", ohne das Handy aus der Tasche zu ziehen. Erst am Montag (14. Juli) hatte PayPal die Verbindung des Systems mit dem Mobil-Bezahldienst Payleven angekündigt.