Hannover - Trotz aller Warnhinweise und verschärfter Regeln wittern Abzocker im Internet weiterhin ihre Chancen. Aktuell warnen Verbraucherschützer vor fingierten Mails in Bezug auf die Sepa-Umstellung.

Die Abzocke im Internet hält trotz aller Maßnahmen für mehr Verbraucherschutz an. Abo-Fallen seien wegen der Pflicht zu einem deutlichen Hinweis auf entstehende Kosten zwar weniger geworden, aber dennoch nicht ganz verschwunden, teilte die Verbraucherzentrale Niedersachsen am Freitag (18. Juli) in Hannover mit. "Viele dieser dubiosen Firmen sind verschwunden, aber nicht alle", sagte Verbraucherschutz-Geschäftsführerin Petra Kristandt.

Mit Routenplaner und Kochrezepten versuchten Kriminelle weiterhin, arglose Internet-Nutzer über den Tisch zu ziehen. Zum Ausplündern von Bankkonten werden derzeit auch fingierte Mails zur Umstellung auf das EU-Zahlungssystem Sepa verschickt. Das Sepa-Zahlungssystem sieht vor, dass europaweit einheitliche Kontonummern die alten Zahlenkombinationen ablösen - auch für Transfers im Inland.

Kummer bereiten vielen Verbrauchern unverändert der Wechsel des Telefonanbieters oder unerklärliche Positionen auf der Telefonrechnung. Wegen Verstößen gegen das Urheberrecht, wie sie bei der Nutzung von Tauschbörsen für Musik oder Filme passieren können, machten sich häufig Eltern schlau, deren Kinder in den illegalen Bereich geraten seien, sagte Kristandt. Auch bei dieser Problematik sei keine Kehrtwende in Sicht.

Einer Lawine von Anfragen sehen sich die Verbraucherschützer derzeit zum Thema Lebensversicherungen gegenüber, die wegen der niedrigen Zinsen als Altersversorgung oder auch bei der Baufinanzierung unsicher geworden sind. "Die Verbraucher stehen bei uns Schlange, um sich beraten zu lassen, was sie bei der Altersvorsorge tun sollen", sagte Kristandt. "Die Verbraucher fühlen sich alleine gelassen, da ist die Verunsicherung groß."

Phishing-Mails mit Namen realer Anwälte
Online-Kriminelle missbrauchen in Phishing-E-Mails derzeit massenhaft die Namen realer Anwaltskanzleien. Mit fingierten Vorwürfen zu illegalen Downloads von Filmen oder Musik wollen sie die Empfänger dazu bringen, einen E-Mail-Anhang im zip-Format zu öffnen. Wer das tut, holt sich aber Viren auf den Rechner, warnt die Verbraucherzentrale Brandenburg.

Grundsätzlich sei es zwar möglich, Abmahnungen nicht nur per Post, sondern auch per Mail zu erhalten. Dann müsse die angebliche Urheberrechtsverletzung aber schon direkt in der Mail präzise und ausführlich geschildert werden, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Ein zip-Anhang, den laut Verbraucherschützern zudem kein Anwalt versenden würde, träfe die Vorgaben ganz sicher nicht.

In den Phishing-Mails bleiben die Kriminellen ganz bewusst vage, um auf den Anhang verweisen zu können. Empfänger sollten dubiose Mails mit zip-Anhängen direkt löschen.