Frankfurt/Main - Die Euro-Falschgeldzahlen sinken - erstmals seit zwei Jahren. Allerdings werden in Deutschland gegen den Europatrend mehr gefälschte Banknoten sichergestellt. Um eine Blüte zu erwischen, müsste man statistisch aber 2000 Jahre alt werden.

Geldfälscher haben weltweit weniger Euro-Blüten in Umlauf gebracht. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden 331 000 Euro-Blüten sichergestellt, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag (18. Juli) in Frankfurt mitteilte. Das waren 6,2 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2013.

Gegen den Trend stiegen die Falschgeldzahlen in Deutschland allerdings wieder. Polizei, Handel und Banken zogen von Januar bis Juni knapp 25 000 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr, wie die Bundesbank mitteilte. Das waren rund 27 Prozent mehr als in der zweiten Jahreshälfte 2013 und so viele wie seit der zweiten Jahreshälfte 2010 nicht mehr. Der Schaden stieg von 1,1 Millionen Euro auf 1,5 Millionen Euro. Die Hälfte der Blüten waren falsche Fünfziger.

Trotz des Anstiegs sieht die Bundesbank keinen Grund zur Sorge: Denn rein rechnerisch entfielen auf 10 000 Einwohner nur sechs
falsche Banknoten. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele betonte: "Man muss statistisch fast 2000 Jahre alt werden, um einmal mit einer gefälschten Banknote in Berührung zu kommen." Zwar sei der gestiegene Schaden bedauerlich: "Das Falschgeldaufkommen in Deutschland bleibt aber auf einem äußerst niedrigen Niveau." Zum Vergleich: Im Schnitt der Eurozone kommen 20 falsche Banknoten auf 10 000 Einwohner.


Auch die EZB stellt klar: Gemessen an den mehr als 16 Milliarden echten Euro-Banknoten, die in den ersten sechs Monaten des Jahres in Umlauf waren, sei der Anteil der Fälschungen sehr gering.

Am häufigsten wurden 20er und 50er gefälscht: Sie machten zusammen 81 Prozent aller sichergestellten Blüten aus. 98 Prozent der Fälschungen wurden in Ländern des Eurogebiets entdeckt, 1,9 Prozent in anderen EU-Ländern und 0,1 Prozent in der übrigen Welt.

Dennoch legen die Notenbanken im Wettrennen mit kriminellen Banden nach: Am 23. September kommt die
neue 10-Euro-Note mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen in den Verkehr. "Damit wird der Fälschungsschutz weiter erhöht", sagte Thiele. Denn das Eurosystem sei bestrebt, den Fälschern stets einen Schritt voraus zu sein.


Allerdings versuchen sich Kriminelle längst auch am neuen Fünfer, der seit Mai 2013 im Umlauf ist. Im ersten Halbjahr wurden in Deutschland 268 falsche Fünfer sichergestellt. "Das Falschgeldaufkommen beim neuen Fünfer ist in etwa identisch mit dem früheren Niveau bei der alten Note", sagte Rainer Elm, Leiter des Nationalen Analysezentrums der Bundesbank. Die Blüten seien allerdings ganz einfache Farbkopien, zumeist ohne Sicherheitsmerkmale. Ohnehin war von Januar bis Juni nur jede Hundertste Blüte ein Fünf-Euro-Schein: "Der Fünfer wird seltener gefälscht, weil sich das kaum rentiert."

Die Bundesbank führt die deutliche Erhöhung des Falschgeldaufkommens in Deutschland vor allem auf den rapiden Anstieg um 70 Prozent bei falschen Fünfzigern zurück. Mehr als 12 200 Blüten wurden sichergestellt - gut 5000 mehr als in der zweiten Jahreshälfte 2013.


Wie erkenne ich Falschgeld?
Fühlen: Auf der Vorderseite der Banknoten sind Teile des Druckbildes ertastbar - etwa das Kürzel für die Europäische Zentralbank in fünf Sprachen: "BCE ECB EZB EKT EKP". Auf dem neuen Fünf-Euro-Schein steht das EZB-Kürzel in neun Sprachen. Zudem befindet es sich auf der Vorderseite nicht mehr oben, sondern am linken Rand. Einen Hinweis auf Echtheit gibt auch die Qualität des Papiers: Echte Banknoten bestehen aus Baumwolle. Die Oberfläche des neuen Fünfers ist wegen einer Speziallackierung relativ glatt.

Sehen: Wird die Banknote gegen Licht gehalten, werden Wasserzeichen, Sicherheitsfaden und eine vollständige Wertzahl sichtbar. Alle drei Merkmale sind bei echten Banknoten auf Vorder- und Rückseite zu erkennen.

Kippen: Beim Kippen des Scheins erscheinen im Hologramm verschiedene Motive. Beim neuen Fünfer ändert der als glänzende Zahl aufgedruckte Wert "Fünf" auf der Vorderseite seine Farbe von Smaragdgrün zu Tiefblau, wenn man die Banknote neigt. Das gilt entsprechend ab September für den neuen Zehner.