Düsseldorf - Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank war eine Überraschung. Die Währungshüter senkten den Leitzins auf 0,05 Prozent. Für Sparer ist das keine gute Nachricht. Sie haben bald nur noch Aussicht auf gute Renditen, wenn sie etwas Mut beweisen.

Jetzt ist es soweit: Die Leitzinsen im Euroraum liegen fast bei null. Auf gerade einmal 0,05 Prozent senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins am Donnerstag. Und das, obwohl dessen Niveau bis dahin mit 0,15 Prozent auch nicht gerade hoch war. "Für Sparer ist das fatal", sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düssseldorf. Sie müssen mit weiter sinkenden Zinsen rechnen. Kreditnehmer können hingegen aufatmen. Antworten auf wichtige Fragen:

Können Sparer noch eine sichere Rendite erzielen?


"Es wird immer schwerer, mit Zinsprodukten eine gute Rendite zu erzielen", ist Verbraucherschützerin Oelmann überzeugt. Zwar geben Geldinstitute eine Leitzinssenkung in der Regel erst mit einigen Wochen Verzögerung an die Kunden weiter. "Aber schon jetzt sind die Sparzinsen im Keller." Viele Verbraucher bekommen für den Notgroschen auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto nur wenig.

Laut der FMH-Finanzberatung zahlen einige Institute für Einlagen auf Sparbüchern derzeit schon den EZB-Zinssatz von 0,05 Prozent. Spitzenanbieter zahlen immerhin bis zu 1,3 Prozent Zinsen. Bei Tagesgeldkonten schwanken die Zinssätze laut FMH zwischen 0,8 und 1,4 Prozent (Stand: 04.09.14). Unter Berücksichtigung der Inflationsrate von derzeit 0,8 Prozent verlieren Sparer bei manchen Angeboten sogar Geld.

Sollten Anleger jetzt sofort handeln?


In Panik muss niemand verfallen. Aber nach Ansicht von Oelmann ist jetzt eine gute Zeit, um aktiv zu werden. "Wer Rendite erwirtschaften will, sollte etwas Mut beweisen", rät die Verbraucherschützerin. Statt auf vermeintlich sichere Zinsprodukte zu setzen, könnten Anleger in Aktien investieren. Viele Anleger mieden diese Wertpapiere aus Angst vor Kursverlusten. Allerdings könnten Kursverluste auf längere Sicht nicht selten ausgeglichen werden.

Ein Beispiel: Angenommen, ein Anleger investierte 2010 in den deutschen Aktienindex Dax. Verkaufte er die Wertpapiere Ende 2011 wieder, machte er nach Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) einen Verlust von 14,7 Prozent. Verkaufte er die Aktien hingegen Ende 2012, lag seine jährliche Rendite schon wieder bei 4,9 Prozent. Hält der Anleger die Aktien immer noch, liegt seine jährliche Rendite inzwischen bei 9,2 Prozent.

Was bedeutet die Zinssenkung für Kapital-Lebensversicherungen?


Das niedrige Zinsniveau macht es auch Versicherern immer schwerer, Rendite zu erwirtschaften. Aus diesem Grund wurde unter anderem der Garantiezins zum 1. Januar 2015 für Neuverträge von 1,75 auf 1,25 Prozent gesenkt. Außerdem wurden die Regelungen zur Beteiligung an den an Bewertungsreserven geändert, um die Unternehmen zu entlasten. Oelmann ist sich nicht sicher, ob diese Maßnahmen jetzt noch ausreichend sind. "Die weiter gesunkenen Zinsen könnten für weitere Probleme sorgen." Kunden sollten daher gut abwägen, ob sie zur Altersvorsorge eine Lebensversicherung abschließen wollen. Für Bestandskunden ändert sich durch die Zinssenkung aber zunächst einmal nichts.

Sinken jetzt auch die Zinsen bei Krediten?


Wer ein Haus oder eine Wohnung gekauft hat, kann aufatmen. "Das Zinsniveau wird vorerst so niedrig bleiben", sagt Oelmann. "Für ein Forward-Darlehen ist der Entscheidungsdruck also nicht unbedingt hoch." Auch wer eine Finanzierung sucht, kann in Ruhe nach passenden Angeboten fahnden. Doch Vorsicht: "Bei niedrigen Zinsen besteht die Gefahr, dass sich viele übernehmen", warnt Oelmann. Denn wenn die Zinsen später steigen, wird die Anschlussfinanzierung teurer als gedacht. Käufer sollten den Zinsvorteil lieber in eine höhere Tilgungsrate investieren.

Etwas anders ist die Situation bei Ratenkrediten. "Diese Darlehen sind in der Regel von der Bonität der Kunden abhängig", erklärt Oelmann. Daher könne hier nicht automatisch mit sinkenden Zinssätzen gerechnet werden, wenn der Leitzins sinke.