Berlin - Viele Banken verlangen von ihren Kunden laut Stiftung Warentest noch immer überhöhte Zinsen fürs Konto-Überziehen. Wer ins Minus rutscht, muss demnach Dispozinsen von bis zu 14,25 Prozent zahlen.
















Juli 2014Juli 2013
Deutschland9,21 Prozent9,51 Prozent
Euroraum7,43 Prozent7,75 Prozent

Der Dispokredit ist teuer: Bis zu 14,25 Prozent Zinsen zahlen Kunden dafür, wenn sie ihr Konto überziehen. Das hat die Stiftung Warentest ermittelt. Im Schnitt liegt der Dispozins bei 10,65 Prozent, heißt es in der Zeitschrift "Finanztest" (Heft 10/2014). Nach Ansicht der Warentester müsste ein fairer Dispozins derzeit deutlich unter zehn Prozent liegen, denn die Banken selbst können sich Geld zu historisch niedrigen Konditionen leihen. Nach der jüngsten Senkung des EZB-Leitzinses auf das Rekordtief von 0,05 Prozent hatten zwar mehrere Banken angekündigt, ihre Überziehungszinsen zu senken - allerdings nur geringfügig auf immer noch zweistellige Werte.

Benötigen Bankkunden einen größerer Geldbetrag für längere Zeit, kann es lohnen, einen Ratenkredit aufzunehmen und umzuschulden. Hierbei sind die Zinssätze meist günstiger. Ein Beispiel: Leiht sich ein Kunde 1000 Euro, muss er bei einem Ratenkredit mit einem Zinssatz von 6,5 Prozent nach zwölf Monaten 35,56 Euro an Zinsen zahlen. Zum Vergleich: Wer genauso lange dauerhaft mit 1000 Euro im Minus ist, muss bei einem angenommenen Dispozins von 10,65 Prozent fast 107 Euro Zinsen zahlen. Nach sechs Monaten im dauerhaften Minus werden über 53 Euro Zinsen fällig. Wird das Konto nur für zehn Tage überzogen, zahlt der Kunde 2,96 Euro.

EZB und Bundesbank: Zinsen für Überziehungskredite sinken nur langsam


Effektivzinssatz für Überziehungskredite und revolvierende Kredite (Sollkonten etwa für Kreditkarten)

Effektivzinssatz für täglich fällige Einlagen
















Juli 2014Juli 2013
Deutschland0,30 Prozent0,43 Prozent
Euroraum0,24 Prozent0,31 Prozent

Welche Zinsen werden beim Überziehen fällig?
Beim Thema Dispozinsen muss man generell zwischen einem Konto im erlaubten Minus ("Dispokredit") und einem Konto im geduldeten Minus ("Überziehen") unterscheiden. Für beide Arten werden bei den meisten Kreditinstituten verschiedene Zinssätze fällig. Wer im Rahmen einer "geduldeten Überziehung" Geld über den Dispo hinaus in Anspruch nimmt, muss in aller Regel einen Aufschlag zahlen. Verbraucherschützer kritisieren seit langem, dass die Zinssätze zu hoch seien, obwohl die Banken sich zu historisch niedrigen Kondition Geld bei der Europäischen Zentralbank besorgen können.