Frankfurt/Main - Die Zinsen sind niedrig, die Mieten steigen - lohnt es sich da nicht, eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen? Nicht unbedingt. Denn vor allem in Großstädten müssen Käufer hohe Preise bezahlen.

Die Zinsen für Immobilienkredite sind seit langem auf einem Rekordtief. Nur 1,79 Prozent müssen Käufer derzeit im Schnitt für ein Darlehen mit einer Laufzeit von 10 Jahren zahlen, hat die FMH-Finanzberatung ermittelt. Bei einer Laufzeit von 15 Jahren werden 2,33 Prozent fällig (Stand 12.11.14). Zugleich steigen die Mieten weiter. Laut dem Immobilienverband IVD kostet eine Wohnung mit mittlerem Wohnwert derzeit 5,78 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter und damit 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Da stellt sich für viele die Frage: Soll ich nicht lieber eine Immobilie kaufen?

"Die Zinsen sind derzeit tatsächlich sensationell günstig", findet Jörg Sahr. "Allerdings sind in einigen Regionen die Kaufpreise für Immobilien und in einigen Bundesländern auch die Nebenkosten in der letzten Zeit gestiegen", erklärt der Experte der Stiftung Warentest. "Berlin, Hamburg und München sind hier Preistreiber." Im Norden Deutschlands seien Immobilien oft erschwinglicher. Ob sich eine Immobilie lohnt, hängt also unter anderem davon ab, wo man wohnt.

Wer ermitteln will, ob er sich einen Kauf leisten kann, sollte sich einen Überblick über seine Finanzen machen. "Sie sollten ein Grundstock an Eigenkapital haben und über ein gesichertes Einkommen verfügen", rät Sahr. Denn eine 100-Prozent-Finanzierung ist auch in Zeiten niedriger Zinsen riskant. Wichtig zu beachten: Beim Kauf einer Immobilie fallen Nebenkosten an, zum Beispiel für den Notar, einen Makler oder auch Steuern. Diese müssen auf den Kaufpreis aufgeschlagen werden.

Auch ein Blick das Kaufpreis-Miete-Verhältnis kann helfen. Es besagt, wie vielen Jahresnettokaltmieten der Kaufpreis entspricht. Die Nettokaltmiete ist die Miete ohne weitere Betriebskosten. Beträgt der Kaufpreis der Immobilie weniger als das 20-fache der Jahresmiete, ist ein Kauf zu einer mietähnlichen Belastung möglich, hat die Stiftung Warentest ermittelt. Die Voraussetzung: Der Käufer bringt 20 Prozent Eigenkapital mit. Liegt der Wert beim Kaufpreis-Miete-Verhältnis über 25, müssen Käufer über einen längeren Zeitraum mit einer Mehrbelastung rechnen.

Ein Beispielrechnung der
Stiftung Warentest: Zwei Ehepaare haben 60 000 Euro Eigenkapital. Ein Ehepaar zahlt monatlich 750 Euro für die Mietwohnung, also 9000 Euro im Jahr. Es legt das Geld zu einem Zinssatz von 2 Prozent an. Das andere Ehepaar kauft eine Wohnung für 180 000 Euro plus 20 000 Euro Nebenkosten. Das Kaufpreis-Miete-Verhältnis liegt in diesem Beispiel also bei 20.


Beim zweiten Paar liegt der Kreditzins bei 3 Prozent, die Tilgung bei 2 Prozent. Die Kreditrate beträgt dann jährlich 7000 Euro. Hinzu kommen 1800 Euro jährlich für Instandhaltung und Verwaltung. Die laufenden Kosten sind also insgesamt ähnlich hoch wie bei dem Ehepaar, das zur Miete wohnt. Die Käufer haben aber bei einer angenommenen Wert- und Mietsteigerung von 1 Prozent pro Jahr nach sechs Jahren einen finanziellen Vorteil.

Literatur:


"Finanztest Spezial Immobilien 2014 -
100 Städte und Kreise: Preise, Mieten, Trends", Stiftung Warentest, 10,00 Euro. Bestellbar im
Internet.