Stuttgart - Wer für seine Immobilie einen Kredit aufnimmt, zahlt dafür Zinsen. Aber nicht immer wird das Geld sofort abgerufen, zum Beispiel weil das Haus noch gar nicht fertig gebaut ist. Dafür verlangen Banken meist Zusatzzinsen.

Viele Bauherren können sich nicht im Voraus auf einen Auszahlungstermin festlegen. "In diesen Fällen verlangen einige Banken ein Entgelt dafür, dass die Bank das Geld zur Auszahlung jederzeit bereithält", erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. "Fällig werden sogenannte Bereitstellungszinsen." Das kann den Kredit deutlich teurer machen, wenn sich die Auszahlung über einen längeren Zeitraum hinzieht.

Banken verlangen nach aktuellen Erhebungen der Stiftung Warentest durchweg 3 Prozent Zinsen allein dafür, dass sie einen zugesagten Kredit zur Auszahlung bereithalten. "Die Banken begründen dies damit, dass sie das nicht abgerufene Geld selber immer nur kurzfristig anlegen können", erklärt der Finanzexperte. "Doch das erklärt nicht die unverschämte Höhe der Zinsen." Bereitstellungszinssätze, die höher sind als die Darlehenszinsen, sind aus Sicht des Verbraucherschützers nicht akzeptabel. Doch das ist in der Praxis häufig der Fall. Denn im Schnitt kostet ein Immobilienkredit mit einer Laufzeit von 15 Jahren laut FMH-Finanzberatung derzeit nur 2,29 Prozent.

Kunden sollten daher verhandeln, rät der Verbraucherschützer. "Fragen Sie explizit nach der Höhe der Bereitstellungszinsen und bestehen Sie auf einer Deckelung in Höhe des Darlehenszinssatzes." Zinsen seien generell Verhandlungssache. Üblich und verhandelbar ist auch der Zeitraum ohne Bereitstellungszinsen. Hier gibt es laut Stiftung Warentest durchaus Unterschiede. Viele Banken berechnen Zinsen schon nach zwei Monaten, andere räumen dem Kunden eine Karenzzeit von sechs oder sogar zwölf Monaten ein. "Bei langwierigen Neubauten lohnt es sich, die Angebote auch hinsichtlich des Zeitraums ohne Bereitstellungszinsen zu vergleichen", sagt Nauhauser.