Düsseldorf - Niedrige Zinsen, unsichere Konjunkturaussichten, drohende Deflation - für Anleger sind es derzeit unruhige Zeiten. Genau das kann ein guter Anlass sein, seine eigene Strategie auf den Prüfstand zu stellen. Dann können 2015 gute Renditen winken.

Bei der Geldanlage setzen viele in Deutschland auf Sicherheit: Das Sparbuch landet in Umfragen zu beliebten Anlageprodukten regelmäßig auf den vorderen Plätzen. Bei dieser Strategie gibt es derzeit aber ein Problem: Auf gerade einmal 0,05 Prozent hat die Europäische Zentralbank (EZB) 2014 den Leitzins gesenkt. Die Folge: Sparer bekommen bei sicheren Anlageformen wie Tagesgeld oder eben dem Sparbuch kaum noch Zinsen.

"Es ist eine knifflige Situation", sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Viele Sparer nähmen einen Wertverlust hin. Die Inflationsrate lag laut dem Statistischen Bundesamt im November 2014 zwar bei gerade einmal 0,6 Prozent. Doch Geld auf einem Sparbuch wird mitunter mit nur 0,25 Prozent verzinst. Und auch beim Tagesgeld gibt es nach Angaben der FMH-Finanzberatung derzeit im Schnitt nur 0,55 Prozent Zinsen (Stand: 19.12.14).

Dass sich an dieser Situation 2015 etwas grundlegend ändern wird, erwarten Experten nicht. "Die Zinsen werden in kurzer Zeit sicher nicht stark steigen", schätzt Uwe Zimmer von der Merido Vermögensverwaltung in Köln. Das heißt: Anleger müssen sich noch gedulden, um mit Sparprodukten von der Bank oder sicheren Anleihen wieder Rendite zu erwirtschaften. Wer mehr will, sollte seine Strategie überprüfen.

"Anlageerfolg hat heute immer etwas mit Risikobereitschaft zu tun", sagt Michael Pintarelli von der Vermögensverwaltung MPF AG in Wuppertal. "Um das Vermögen nach Inflation, Steuern und Gebühren zu erhalten, muss der Anleger bereit sein, etwas mehr Risiko in Kauf zu nehmen." Und Risiko meint in der Regel das Investment in Aktien.

"An Aktien führte 2014 kein Weg vorbei. Und diese Aussage gilt auch für 2015", sagt Asoka Wöhrmann von der Deutschen Asset & Wealth Management. Ein Investment im deutschen Aktienindex Dax habe den Anlegern in den vergangenen Jahrzehnten im Schnitt eine Rendite von über sieben Prozent gebracht - "wenn auch in einer ziemlich hohen Schwankungsbreite".

Der Einstiegszeitpunkt sollte bei der Entscheidung für Aktien keine allzu große Rolle spielen. "Wichtig ist vor allem der Anlagehorizont", erklärt findet Jürgen Kurz von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Wenigstens fünf Jahre sollten Anleger auf das Geld verzichten können. So könnten sie schwache Kursphasen aussitzen. "Dafür müssen Sie aber auch das Nervenkostüm mitbringen", sagt Oelmann.

Wichtig ist es außerdem, nicht auf einzelne Titel zu setzen, sondern das Geld breit zu streuen. Kostengünstig sind zum Beispiel Indexfonds (ETFs), die einen weltweiten Index wie den MSCI World Index abbilden.

Wer lieber auf sichere Zinsprodukte setzt, kann zum Beispiel verschiedene Laufzeiten von Festgeldanlagen miteinander kombinieren. "Flexible Leiterstrategie" nennt Stephan Kühnlenz von der Stiftung Warentest diese Vorgehensweise. "Sie können etwa einen Teil ihres Geldes für fünf Jahre fest anlegen, einen Teil für drei Jahre und einen Teil für zwölf Monate." Laut "Finanztest" (Heft 01/2015) zahlen die besten Anbieter bei einer Laufzeit von fünf Jahren bis zu 2,4 Prozent Zinsen, bei drei Jahren bis zu 2,2 Prozent und bei zwölf Monaten immerhin noch bis zu 1,5 Prozent.

Literatur:


Claus Hecher: Anlegen wie die Profis mit ETFs, Finanzbuch Verlag 2013, 208 Seiten, 24,99 Euro, ISBN-13: 978-3-89879-707-8

Thomas Hammer, Barbara Rück: Geldanlage ganz konkret, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen 2014, 269 Seiten, 12,90 Euro, ISBN-13: 978-3-86336-027-6

Sina Groß: Geldanlage für Faule, Stiftung Warentest 2013, 160 Seiten, 16,90 Euro, ISBN-13: 978-3-86851-352-3