Berlin - Für Sparer fängt das neue Jahr nicht gerade rosig an: Mini-Zinsen und kein Ende in Sicht. Daran wird sich nach Ansicht von Bafin-Chefin König in nächster Zeit auch wenig ändern.

Sparer müssen sich nach Einschätzung von Finanzaufsichtschefin Elke König noch längere Zeit mit niedrigen Zinsen abfinden. "Ein Ende ist nicht absehbar", sagte die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) der "Bild"-Zeitung.

Sie habe schon vor zwei Jahren gewarnt, dass die niedrigen Zinsen nicht von kurzer Dauer sein würden. "Daran hat sich nichts geändert", fügte König hinzu. Auch Kunden von Lebensversicherungen bekämen das sehr niedrige Zinsniveau weiter zu spüren. "Die Kunden müssen sich sicherlich 2015 auf gleichbleibende oder sinkende Renditen einstellen."

Bausparkassen, die zuletzt mit der Kündigung gut verzinster Altverträge Aufsehen erregt hatten, leiden nach Einschätzung der Bafin-Chefin gleichermaßen, unter der aktuellen Situation. "Das ist kein Geheimnis."

Mit Blick auf solche Kündigungen sagte sie aber: "Von Abzocke kann keine Rede sein. Bei diesen Kündigungen geht es um Kunden, die ihren Bausparvertrag seit längerem nicht zum Kauf oder Bau eines Hauses nutzen, indem sie ihre Bauspardarlehen abrufen, sondern zum Sparen." Das Geld sei zudem nicht weg, die Anleger bekämen ihr Guthaben und Zinsen ausgezahlt. Allgemein gelte jedoch: "Ob Kündigungen rechtens sind, müssen Gerichte entscheiden."

Im Kampf gegen die Konjunkturschwäche hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Zudem kassiert sie von Geschäftsbanken derzeit 0,2 Prozent Zinsen, wenn diese über Nacht Geld bei ihr bunkern. Damit soll die Kreditvergabe von Banken an Unternehmen in Gang gesetzt werden, die vor allem in Südeuropa seit langem stottert und damit das Wirtschaftswachstum bremst. Die Kehrseite: Viele Sparformen werfen wegen des Dauertiefs an der Zinsfront mickrige Zinsen ab, die noch unterhalb der Inflation liegen. Real verlieren Sparer also Geld.


Bundesbürger rechnen nicht mit Zinsanstieg
Die Mehrheit der Bundesbürger rechnet nicht damit, dass die Zinsen bald wieder steigen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Bank of Scotland, gehen 44 Prozent davon aus, dass die Zinsen in diesem Jahr gleichbleiben. 21 Prozent der Befragten glauben sogar an eine weitere Absenkung. Nur 23 Prozent glauben an einen Anstieg des Zinsniveaus. Nur etwa jeder Zweite (47 Prozent) lässt sich von der Niedrigzinsphase in seinem Anlageverhalten beeinflussen.

Wer sein Verhalten anpasst, schaut sich am häufigsten nach einer alternativen Geldanlage mit einer besseren Verzinsung um (32 Prozent). Viele Verbraucher sparen aber auch weniger (30 Prozent). 22 Prozent investieren in eine Immobilie oder die Modernisierung. 15 Prozent bleiben bei ihrer gewählten Anlageform, wechseln jedoch zu einem Anbieter, der höhere Zinsen anbietet. Für das Abbezahlen von Schulden entscheidet sich nur 1 Prozent der Befragten. Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage möglich. Befragt wurden insgesamt 1661 Personen im Alter zwischen 18 und 69 Jahren.