Berlin - Nur 3 von 20 Bausparkassen in Deutschland sind laut Stiftung Warentest "gut". Der Test kommt für einige Institute zur Unzeit. Sie machen sich ohnehin gerade bei zahlreichen Kunden unbeliebt. Wichtige Fragen und Antworten zum Thema gibt es hier.

Tausenden Bausparern flatterte zum Jahreswechsel die Kündigung ins Haus: Immer mehr Bausparkassen drängen Kunden aus gut verzinsten Altverträgen. Wer dagegen jetzt einen neuen Vertrag abschließt, hat andere Sorgen: Einige Kassen beraten schlecht, wie Verbraucherschützer berichten, und machen so die Immobilienfinanzierung unnötig teuer. Fragen und Antworten rund um das Thema:

Was bedeutet Bausparen eigentlich?


Bausparen hat zum Ziel, Eigenkapital für einen Haus-, Wohnungskauf oder eine Renovierung zu bilden. Dafür gibt es Bausparkassen, bei denen viele Sparer ihre Beiträge einzahlen und so eine Zweckspargemeinschaft bilden. Dabei geht es darum, dem einzelnen Sparer ein möglichst zinsgünstiges Darlehen zu ermöglichen. Der monatliche Sparbeitrag richtet sich nach der Bausparsumme, die im Vertrag vereinbart wird. Allerdings müssen Bausparer eine bestimmte Zeit warten und sparen, bis der Vertrag "zuteilungsreif" ist. Dies ist in der Regel der Fall, wenn je nach Tarif ein größerer Teil der Bausparsumme angespart ist und der Vertrag eine angemessene Zeit besteht.


Warum kündigen Bausparkassen langjährigen Kunden?


Manche Verträge sind den Anbietern zu teuer geworden. Vor zehn Jahren boten sie Verträge mit vier Prozent Zinsen und mehr an. Das sind Konditionen, von denen Bausparer heute nur träumen können. In der anhaltenden Niedrigzinsphase bekommen Bausparkassen am Finanzmarkt selbst nur sehr niedrige Zinsen für das Kapital ihrer Bausparer. Deshalb könnten sie sich die Altverträge nicht mehr leisten, argumentieren sie. Es geht vor allem um Kunden, die das vorgesehene Darlehen nicht nutzen oder die vereinbarte Sparsumme schon überschritten haben und vor allem von den einst zugesicherten Zinskonditionen profitieren.

Dürfen sie denn einfach kündigen?


Die Bausparkassen berufen sich auf
Paragraf 489 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Demnach sind Darlehensverträge nach zehn Jahren kündbar. Verbraucherschützer sehen allerdings eine rechtliche Grauzone, wenn die Bausparsumme noch nicht überschritten ist.


Wie ist die Lage aktuell?


Dieser Tage bekommen erneut Tausende Bausparer Post von ihrer Bausparkasse. Derzeit sind das etwa Kunden der
Bausparkasse Wüstenrot. Nach deren Angaben handelt es sich um 1 Prozent der Kunden - also rund 30 000 Verträge.


Auch die Landesbausparkasse (LBS) Baden-Württemberg wies Ende des Jahres 22 000 Kunden schriftlich darauf hin, dass sie kündigen will, wie ein Sprecher bestätigt. Ihm zufolge handelt es sich dabei um Verträge, die seit zehn oder mehr Jahren zuteilungsreif sind - für die also längst ein Darlehen in Anspruch genommen werden kann. Die LBS Bayern und Nordrhein-Westfalen handelten ähnlich.

Die Bausparkasse BHW hatte kürzlich ebenfalls 25 000 Verträge gekündigt, bei denen Kunden seit mehr als zehn Jahren kein Darlehen in Anspruch genommen hatten.

Schwäbisch Hall erklärte, nur zu kündigen, wenn das angesparte Guthaben die Bausparsumme überschritten habe. "Dann haben beide Seiten den Vertrag erfüllt, und der Kunde erhält sein Erspartes zurück", sagte ein Sprecher.

Ist ein Bausparvertrag noch zu empfehlen?


"Bausparen an sich ist eine prima Idee", heißt es bei der Stiftung Warentest. Wer in sieben oder zehn Jahren bauen wolle, sichere sich schon heute einen Kredit mit niedrigen Zinsen - auch wenn er für seine Sparraten kaum Zinsen von der Bausparkasse bekommt. Beim Sparkonto gibt es auch nicht mehr. Zum Teil schließen auch heutige Bauherren Bausparverträge ab, um mit dem Bauspardarlehen in zehn Jahren einen Kredit abzulösen.

Wie gut sind die Angebote?


Das hängt sehr stark von der Beratung ab, wie ein Test bei allen 20 Bausparkassen in Deutschland ergab: 4 fielen durch, nur 3 waren "gut",
heißt es in der Zeitschrift "Finanztest" (Heft 2/2015). Manche Verträge sind zu schmal bemessen, viele zu üppig, wie Warentester Holger Brackemann kritisiert. Viele Berater setzten Bausparsumme, Guthaben oder Darlehensraten zu hoch an. Gleichzeitig enthielten sie ihren Kunden Informationen vor, um Angebote zu vergleichen.


Warum beraten manche Institute schlecht?


Der falsche Vertrag kann mehrere tausend Euro Mehrkosten bedeuten, wenn dem Kunden nicht sogar die Finanzierung um die Ohren fliegt. Das zu viel bezahlte Geld bleibt der Bausparkasse - hier sieht die Stiftung Warentest einen der Gründe für die Missstände.

Was sagen die Bausparkassen zu den Vorwürfen?


Sie wollen der Kritik auf den Grund gehen. In einzelnen Beratungen seien offenbar Fehler gemacht worden, räumte der Verband der privaten Bausparkassen ein. Mit dem Gesamtbild könne man nicht zufrieden sein, betonen auch die Landesbausparkassen (LBS). Sie verweisen auf eigene Testkäufe, die regelmäßig bessere Ergebnisse zutage förderten.


So kommt man zu einem guten Bausparvertrag:
Zeitplan aufstellen: Vor dem Gespräch bei der Bausparkasse sollten Kunden sich über ihre Wünsche und Ziele klarwerden: Wann soll gebaut oder gekauft werden? Wie viel kann ich monatlich sparen? Steht weiteres Vermögen zur Verfügung?

Bausparsumme wählen: Diese sollte nicht zu hoch sein. Denn dann benötigen Kunden womöglich zu lange, um das Darlehen pünktlich abzurufen. Wichtig: Bausparkredite müssen meist innerhalb von acht bis elf Jahren zurückgezahlt werden. Die monatliche Belastung durch die Kreditrate sollte nicht zu hoch sein.

Prüfen und vergleichen: Nach dem Gespräch sollten Kunden sich einen Spar- und Tilgungsplan vorlegen lassen. Aus diesem müsse hervorgehen, wie hoch die Bausparsumme ist, wie viel der Kunde einzahlen muss, wann der Vertrag zugeteilt wird und welche Monatsrate zur vollständigen Entschuldung gezahlt werden muss. Kunden sollten sich auch Alternativangebote von weiteren Bausparkassen einholen. Wer unsicher ist, kann sie von Experten prüfen lassen.