Düsseldorf - Lange Zeit lockten Aldi und Lidl vor allem mit günstigen Preisen. Jetzt wollen sie mit Nachhaltigkeit und Qualitätskontrollen neue Kunden ansprechen.

Die Namen Aldi und Lidl stehen in Deutschland vor allem für vernünftige Qualität zu günstigen Preisen. Doch das reicht den Discount-Marktführern nicht mehr. Sie wollen weg vom reinen Billig-Image und werben immer stärker mit Nachhaltigkeit und ihren umfangreichen Qualitätskontrollen.

"Dass man bei Lidl günstig einkaufen kann, weiß jeder. Wie gut die Produkte tatsächlich sind, bisher noch nicht", klagte der Discounter aus Neckarsulm. Um sein Image aufzupolieren, will der Konzern nun tief in die Tasche greifen. In Kürze startet das Unternehmen eine Serie von TV- und Radiospots, mit denen es das Thema Produktqualität in den Vordergrund rücken will.

Lidl habe in den vergangen Jahren einen starken Veränderungsprozess durchlaufen, sagt Lidl-Einkaufschef Christoph Pohl. "Neben einem guten Geschmack hat Frische oberste Priorität", betont er. Um dies sicherzustellen, verfüge Lidl über ein umfangreiches Qualitätssicherungssystem entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte Lidl nach Kritik der Umweltorganisation Greenpeace außerdem angekündigt, das Unternehmen werde Textilien seiner Eigenmarken bis 2020 ohne umwelt- und gesundheitsgefährliche Chemikalien produzieren lassen.

Doch Lidl ist nicht allein bei dem Versuch, sein Image aufzupolieren. Auch Rivale Aldi Süd wirbt inzwischen offensiv um Kunden, denen es beim Einkauf um mehr geht als um das Motto "Geiz ist geil". So kündigte der Discounter Anfang Februar eine neue Einkaufspolitik an, mit der er sich für artgerechte und nachhaltige Haltungsbedingungen in der Tierzucht einsetzen will. Das Unternehmen untersagt darin unter anderem seinen Lieferanten den Einsatz von Eiern aus Käfig- oder Kleingruppenhaltung bei der Herstellung von Nudeln und Backwaren. Aldi stieß mit seinem "Tierwohl"-Engagement bei Tierschützern allerdings auf gemischte Reaktionen.

Schon im vergangenen Jahr kündigte das Unternehmen außerdem an, seine Kunden künftig auch über die Herkunft des Fleisches in verarbeiteten Produkten wie Chili con Carne oder Nudeln Bolognese zu informieren. Dies sei "ein absolutes Novum im deutschen Lebensmitteleinzelhandel", verkündete Aldi Süd damals stolz. Auch bei Fischprodukten informiert Aldi inzwischen über Herkunft und Fangmethoden.

Für den Handelsexperten Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung kommen diese Bemühungen nicht überraschend. "Immer mehr Menschen legen beim Einkaufen Wert auf Nachhaltigkeit", weiß der Marktforscher. Davon wollten die Discounter profitieren. Außerdem biete sich ihnen die Möglichkeit, sich neue, kaufkräftige Kundengruppen zu erschließen. Dies seit umso wichtiger, weil die Discounter in Deutschland mit ihrem herkömmlichen Konzept an Grenzen beim Wachstum stießen. Es gebe kaum noch geeignete Stellen, um neue Filialen zu eröffnen.

Auch Denise Klug vom Marktinformationsdienst Planet Retail ist überzeugt, dass qualitatives Wachstum für die Discounter an Bedeutung gewonnen hat. "Es ist inzwischen Strategie aller Discounter, sich ein bisschen mehr in Richtung Supermarkt zu bewegen. Da passen Versprechen wie Qualitätskontrollen und nachhaltige Produktion gut ins Konzept."

Doch die Eroberung neuer Kundenschichten ist ein mühsames Geschäft. In einer kürzlich veröffentlichten Studie kamen die Marktforscher der GfK zu dem Ergebnis: "Zwar haben die Dicounter in den letzten Jahren durch ihre Sortimentspflege viel für ihre Attraktivität auch außerhalb ihrer Stammklientel getan. Die Massen sind ihnen aber deshalb nicht zugelaufen."