Mannheim - Zinsen? Das war einmal. Wer eine einigermaßen akzeptable Rendite erzielen will, hat es nicht leicht. Mit verzinsten Bankeinlagen können Sparer derzeit gerade einmal die Inflationsrate ausgleichen.

Im Schnitt bekommen Sparer bei Tagesgeldkonten 0,48 Prozent Zinsen, hat die FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main ermittelt (Stand: 10.04.15). Die Inflationsrate lag in Deutschland im März schätzungsweise bei 0,3 Prozent. Vermögensaufbau ist so kaum möglich.

Was also tun? Eine mögliche Antwort: Risiko in Kauf nehmen und an der Börse investieren. "Aktien sind zwar riskant", sagt Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim. "Dafür können Sie damit aber langfristig auch eine Mehrrendite erzielen." Wer nicht zu sehr von der Kursentwicklung einer Aktie abhängig sein möchte, kann in Dividendenwerte investieren. Denn dann dürfen Anleger mit einer regelmäßigen Ausschüttung rechnen. Und das kann sich lohnen.

Allein in Deutschland schütten die börsennotierten Unternehmen in diesem Jahr fast 42 Milliarden Euro an ihre Aktionäre aus, wie eine aktuelle Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zeigt. Damit wird der Rekordwert aus dem Jahr 2008 übertroffen: Damals wurden 38,2 Milliarden Euro an Dividenden gezahlt. "Kein Wunder, dass Gewinnausschüttungen dadurch mehr in den Fokus der Anleger geraten", sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. "Zumindest derjenigen, die sich mit einer Geldanlage in Aktien grundsätzlich anfreunden können."

Auch Profis kommen um dividendenstarke Aktien daher derzeit nicht herum. "Dividenden sind eine qualitativ stabile Ertragsquelle für Investoren und sind im aktuellen Umfeld die Ersatzbefriedigung für Zinsjäger", sagt etwa Vermögensverwalter Guido vom Schemm von der GVS Financial Solutions GmbH. "Gute Unternehmen bieten eine Rendite von 3 bis 4 Prozent und liegen damit deutlich über dem aktuellen Zinsniveau", ergänzt sein Kollege Stephan Witt von der Finum Private Finance AG. "Daran ist einfach zu erkennen, dass Dividendenpapiere eine sehr wichtige Rolle bei der Anlagestrategie spielen."

Wie aber können Anleger gute Dividenden-Aktien erkennen? "Ein Kriterium ist eine mehrjährige Entwicklung ohne Dividendensenkungen oder sogar mit stetigen Dividendensteigerungen, auch in wirtschaftlichen schwierigen Phasen", erklärt Vermögensverwalter Arne Sand von Sand und Schott aus Stuttgart. "Wer es sogar 25 Jahre oder länger schafft, gilt als Dividenden-Aristokrat." Wichtig auch: Die Unternehmen sollten nicht den ganzen Gewinn ausschütten. "Schließlich muss noch Geld für Investitionen da sein", sagt Sand. Außerdem sollte sich die Dividende vor allem aus den regelmäßigen Erträgen finanzieren, nicht aus Sondereffekten.

Unter den deutschen Aktienunternehmen, die in den vergangenen 10 Jahren ihre Dividende kontinuierlich erhöht haben, finden sich viele Werte aus der zweiten Reihe, wie die
Stiftung Warentest für die Zeitschrift "Finanztest" (Heft 4/2015) ermittelt hat. Dazu gehören zum Beispiel die im MDax gelisteten Firmen Fuchs Petrolub und Fielmann sowie Stratec Biomedical aus dem TechDax und Baywa aus dem SDax. Die Dividendenrendite lag bei diesen Werten den Angaben zufolge 2014 zwischen 1,05 Prozent und 2,34 Prozent.


Allerdings sind Dividendentitel nicht per se die besseren Aktien. "Der Anleger sollte nicht vergessen, dass eine Dividende immer nur eine "Kann-Leistung" ist und jederzeit vom Unternehmen gekürzt oder ganz gestrichen werden kann", gibt Vermögensverwalter Thomas Freiberger zu bedenken. Außerdem betreibt ein Anleger auf der Suche nach attraktiven Dividenwerten Stock-Picking. "Er wählt einzelne Aktien aus dem Gesamtmarkt aus, die eine hohe Dividendenrendite ausweisen und verzichtet auf den Effekt der Risikostreuung."

Daher sollten Anleger nicht zu einseitig investieren, empfiehlt auch Prof. Weber. "Märkte, Branchen und Unternehmen entwickeln sich nie gleich", erklärt der Wissenschaftler. "Wenn man einseitig investiert, kann man schnell danebenliegen." Besser sei es, das Geld gut zu verteilen.


Dividende - Gewinnbeteiligung für Aktionäre
Jedes Jahr können sich Aktionäre aufs Neue freuen. Denn die meisten Aktiengesellschaften überweisen ihren Anteilseignern dann einen zum Teil ordentlichen Geldbetrag. Diese Ausschüttung ist besser bekannt unter der Bezeichnung Dividende. Aktionäre erhalten die Gewinnbeteiligung in dieser Form, weil sie mit ihrer Geldanlage auch für Verluste des Unternehmens geradestehen müssen, erklärt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.

Wie viel ein Unternehmen auszahlt, wird jedes Jahr neu festgelegt. Der Vorstand des Unternehmens macht dazu auf Basis des vergangenen Geschäftsjahres einen Vorschlag, der auf der Hauptversammlung beschlossen wird. Ausgezahlt wird die Dividende meist einen Tag nach der Hauptversammlung. Während deutsche Aktiengesellschaften in der Regel nur einmal pro Jahr Dividenden zahlen, sind in anderen Ländern quartalsweise Ausschüttungen üblich. Die Dividende wird üblicher Weise als Euro-Betrag je Aktie angegeben.

Beim Vergleich mit Zinspapieren ist ein Blick auf die Dividendenrendite sinnvoll. Wie hoch diese ist, können Anleger selber ausrechnen. Dazu müssen sie die Höhe der Ausschüttung pro Aktie durch den Aktienkurs dividieren und anschließend mit 100 multiplizieren. Ein Beispiel: Bei einem Kurs von 50 Euro und einer Dividende von 2,50 Euro liegt die Dividendenrendite bei 5 Prozent. Für die Gesamtrendite von Aktien ist die Dividendenrendite ebenso bedeutsam wie die Kursentwicklung.