Frankfurt/Main - Börsenboom hin, Mini-Zinsen her: Anleihen sind als Stabilitätsanker im Anlegerportfolio weiter gefragt. Doch die Auswahl der richtigen Anlagen fällt derzeit besonders schwer.

Denn für immer mehr Festzinspapiere solventer Schuldner wie der Bundesrepublik Deutschland muss man teils sogar draufzahlen muss statt eine Rendite einzustreichen. Als Beimischung böten sich deshalb Anleihen von Unternehmen mit niedriger Bonität an, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Bei einer Ausfallwahrscheinlichkeit von recht niedrigen 3 Prozent und einer durchschnittlichen Rendite von rund 4 Prozent erschienen Hochzinspapiere ("High Yield") generell immer noch attraktiv.

In den Sinn kommen Anlegern beim Begriff High Yield vor allem exotische Unternehmen aus dem Ausland. Aber auch hierzulande können sich einige Ertragsperlen finden - und zwar bei kleinen und mittelständischen deutschen Firmen. Doch die Medaille hat eine Kehrseite: "Bei Hochzinsanleihen ist das Risiko höher als bei Aktien", sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des gemeinnützigen Verbrauchermagazins Finanztip. Denn falls der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, steht unter Umständen der gesamte Einsatz auf dem Spiel.

Anleger sollten sich deshalb Tenhagen zufolge intensiv mit dem jeweiligen Unternehmen beschäftigen und sich die Frage stellen, was mit dem eingesammelten Geld gemacht wird. So ist es zum Beispiel ein Unterschied, ob in die Zukunft des Geschäfts investiert wird oder eine bereits bestehende Anleihe refinanziert werden soll. Informationen dazu finden sich im Wertpapierprospekt, den jeder Emittent veröffentlichen muss, der sich an Privatleute wendet. Wer keine Papierberge wälzen möchte, für den bieten sich laut Tenhagen Fonds an, mit denen Risiken gestreut werden können.

Beispiel Katjes International: Der Lakritzhersteller will den Weg der Refinanzierung einschlagen und fühlt deshalb momentan vor, ob bei den Investoren noch Interesse besteht. Denn die Katjes-Bonds sind Teil des durch viele Pleiten und Skandale erschütterten Marktes für Mittelstandsanleihen, der von den Privatanlegern aktuell gemieden wird. Laut der Corporate-Finance-Agentur Blättchen & Partner ist die Anzahl der Neuemissionen in den Mittelstandssegmenten der deutschen Börsen 2014 gegenüber dem Vorjahr deutlich von 39 auf 13 gesunken.

Die schwindende Bedeutung des Handels über die Börsen bedeutet für kleine und mittelständische Unternehmen aber nicht das Aus für das Instrument der Anleihe. Angesichts der verzweifelten Suche nach Rendite im aktuellen Niedrigzinsumfeld bleiben diese Papiere insbesondere für institutionelle Anleger interessant. Sie können von Berufs wegen die Risiken besser einschätzen als Kleinanleger und als Käufer einspringen. Unternehmen wie der Holzpelletproduzent German Pellets, der Autozulieferer Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig oder eine Tochter des Betreibers von Senioren- und Behindertenheimen Senivita Sozial fahren deshalb zweigleisig und haben ihre Anleihen auf direktem Wege sowohl Privatanlegern als auch Profis angeboten.

Dass sich die Mittelständler den Anleihenmarkt offenhalten, hat Gründe: So bekämen zwar gut aufgestellte Firmen mittlerweile wieder attraktive Kreditkonditionen von ihren Hausbanken, sagt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. Allerdings könnte das Umfeld für die Kreditinstitute erneut rauer werden, falls weitere Krisen das Finanzsystem erschüttern sollten. In diesem Fall wäre es von Vorteil, am Kapitalmarkt auf lange Sicht eine treue Investorengemeinschaft hinter sich zu wissen.