London (dpa) l Bei einem verheerenden Brand eines Hochhauses im Zentrum Londons sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Die genaue Zahl der Toten stand bis zum Mittag noch nicht fest. Mehr als 50 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden. Das Feuer war in der Nacht zum Mittwoch ausgebrochen, am frühen Morgen stand das Gebäude mit mehr als 20 Stockwerken noch lichterloh in Flammen, eine Rauchsäule war weithin zu sehen.

Die Ursache des Brands war zunächst unklar. Die Zahl der Opfer dürfte sich nach Aussage von Bürgermeister Sadiq Khan noch erhöhen. Die Feuerwehr müsse mit einer Lage klarkommen, die sich ständig verändere, berichtete Khan über Twitter.

Trotz der Katastrophe war das Hochhaus am Vormittag stabil genug, um darin weiter nach möglicherweise eingeschlossenen Menschen zu suchen. Ein Experte überprüfe laufend die Statik des Grenfell Towers, sagte Londons Feuerwehrchefin Dany Cotton. Einsatzkräfte seien bis zum 19., 20. Stockwerk gelangt.

Einwohner sollen Gegend meiden

Cotton warnte davor, über die Ursache des verheerenden Brandes zu spekulieren. "Wir werden in den kommenden Stunden und Tagen sorgfältig nach dem Grund für dieses Feuer suchen und untersuchen, was passiert ist", sagte sie. Zu diesem Zeitpunkt sei es aber "falsch", über die Ursache zu spekulieren.

Die Polizei twitterte, dass zahlreiche Verletzte behandelt würden. In dem Apartmenthaus sollen viele Familien mit Kindern gelebt haben. Einwohner wurden gebeten, die Gegend nordwestlich vom Hyde Park zu meiden. Eine Schule in der Nähe des brennenden Gebäudes blieb geschlossen.

In dem Hochhaus soll es nach Aussagen von Anwohnern Beschwerden über unzureichenden Brandschutz gegeben haben. Das Gebäude wurde 1974 erbaut und von 2014 bis 2016 für 8,6 Millionen Pfund renoviert.

Bürgermeister verspricht Aufklärung

Bürgermeister Khan versprach umfassende Aufklärung. "Es wird im Laufe der nächsten Tage viele Fragen zur Ursache dieser Tragödie geben und ich möchte den Londonern versichern, dass wir dazu alle Antworten bekommen werden." Die entsetzlichen Bilder hätten ihn schwer getroffen.

Der britische Schauspieler Tim Downie, der 600 Meter von dem brennenden Hochhaus entfernt wohnt, sagte der britischen Nachrichtenagentur Press Association, er befürchte, der Tower könne einstürzen. "Es ist entsetzlich. Das ganze Gebäude ist in Flammen gehüllt. Es ist verloren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor dieses Gebäude zusammenbricht."

Ein Mitarbeiter der Feuerwehr berichtete, die Einsatzkräfte würden Atemmasken tragen. Die Arbeit sei extrem hart und die Bedingungen sehr schwierig. "Das ist ein großer und sehr schwerwiegender Vorfall."  Man habe zahlreiche Helfer und Spezialisten entsandt. Die Beamten wurden eigenen Angaben zufolge am Mittwoch kurz nach 01.00 Uhr (Ortszeit) alarmiert.

120 Wohnungen im Haus

Wegen des Brandes wurde am frühen Morgen die A4 in beide Richtungen gesperrt – die wichtige Straße verbindet das Stadtzentrum von London mit dem Flughaften Heathrow.

Nach Angaben des Stadtbezirks Royal Borough of Kensington and Chelsea sind in dem Hochhaus 120 Wohnungen. Er wurde 1974 errichtet und umfassend modernisiert.