London (dpa) l Beim gewaltigen Brand eines Hochhauses im Zentrum Londons sind mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Die Londoner Polizei geht aber von weiteren Todesfällen aus. "Es werden noch Menschen vermisst", sagte Stuart Cundy von Scotland Yard am Mittwoch. Bis Mittwochnachmittag waren nach Angaben der Rettungskräfte mindestens 74 Patienten in Kliniken behandelt worden, 20 von ihnen seien in einem kritischen Zustand. Der Rettungseinsatz wird nach Angaben der Polizei mehrere Tage dauern. Die Ursache des Brands war zunächst unklar.

Das Feuer war in der Nacht ausgebrochen, am frühen Morgen stand das Gebäude mit mehr als 20 Stockwerken noch lichterloh in Flammen. Trotz der Katastrophe war das Hochhaus bis zum Nachmittag stabil genug, um darin weiter nach eingeschlossenen Menschen zu suchen. Ein Experte überprüfe laufend die Statik des Grenfell Towers, sagte Londons Feuerwehrchefin Dany Cotton. Einsatzkräfte seien bis zum 19., 20. Stockwerk gelangt. Die Ursache des Brands war zunächst unklar. Scotland Yard erklärte auf Anfrage, dass es sich bei der Brandursache nicht um einen Terroranschlag handle.

Umgebung des Gebäudes abgeriegelt

Augenzeugen hatten in der Nacht auf Twitter von Schreien berichtet. Menschen seien aus dem brennenden Gebäude gesprungen. Trümmerteile flogen aus dem Gebäude, wie ein dpa-Reporter berichtete. Hin und wieder knallte es in dem Gebäude. Die Polizei riegelte alle Wege hermetisch und weiträumig ab. Einwohner wurden gebeten, die Gegend nordwestlich vom Hyde Park zu meiden. Eine Schule in der Nähe des brennenden Gebäudes blieb geschlossen.

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Die britische Premierministerin Theresa May zeigte sich nach eigenen Worten "tief betroffen von den tragischen Todesfällen". Die Bundesregierung würdigte den Kampf der Rettungskräfte gegen die Flammen. "Es ist heroisch, wie die Feuerwehr gegen den Brand um das Leben der Menschen, die sich noch in dem Haus befinden, kämpft", sagte eine Regierungssprecherin in Berlin.

Das Gebäude wurde 1974 erbaut und war von 2014 bis 2016 saniert worden. In dem brennenden Hochhaus hatte es bereits Beschwerden über unzureichenden Feuerschutz gegeben. Die Baufirma Rydon reagierte schockiert auf den Hochhausbrand. Sie war für die Sanierung des 24-stöckigen Grenfell Towers zuständig. Alle erforderlichen Kontrollen, Bestimmungen im Brandschutz und die sonstigen Sicherheitsstandards seien eingehalten worden, teilte die Firma mit.

Suche nach Brandursache

Bürgermeister Sadiq Khan versprach umfassende Aufklärung. "Es wird im Laufe der nächsten Tage viele Fragen zur Ursache dieser Tragödie geben und ich möchte den Londonern versichern, dass wir dazu alle Antworten bekommen werden."

Die Einsatzkräfte waren nach eigenen Angaben innerhalb von sechs Minuten am Ort des Geschehens. Der erste Notruf sei um 0.54 Uhr (Ortszeit) eingegangen, hieß es in einem Statement der Feuerwehr. Die Crews arbeiteten "unter extrem schwierigen Bedingungen, um Menschen zu retten und den Großbrand unter Kontrolle zu bekommen". Im Einsatz waren den Angaben nach 200 Feuerwehrkräfte und 40 Löschfahrzeuge.

Bei dem Feuer wurden auch mehrere Feuerwehrleute verletzt. Es handle sich aber um kleinere Verletzungen, sagte Feuerwehrchefin Cotton. Sie warnte davor, über die Ursache des verheerenden Brandes zu spekulieren. "Wir werden in den kommenden Stunden und Tagen sorgfältig nach dem Grund für dieses Feuer suchen und untersuchen, was passiert ist", sagte sie. Zu diesem Zeitpunkt sei es aber falsch, über die Ursache zu spekulieren.