Große Ölreserven

Venezuela besitzt die größten Ölreserven der Welt, am Weltmarkt spielt das Land damit aber praktisch keine Rolle. Wegen der seit Jahren unsicheren politischen Lage gibt es nur eine sehr geringe Förderung. Die immensen Versorgungsprobleme wurden zuletzt immer schlimmer.

Nach aktuellen Marktangaben förderte Venezuela im März dieses Jahres 1,97 Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag. Das waren 25.000 Barrel weniger als noch im Februar. Im Jahr 2015 brachte das Land demnach noch durchschnittlich insgesamt 2,37 Millionen Barrel täglich an die Erde.

Venezuela ist eines der Gründungsmitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Das Kartell besitzt über drei Viertel der bekannten Ölreserven. Nach einer gemeinsamen Entscheidung Ende 2016, weniger Öl zu produzieren und damit die Preise nach jahrelanger Talfahrt wieder anzuheben, war der Kurs in den vergangenen Wochen wieder gesunken. Die beschlossene Kürzung läuft im Juni aus. Präsident Nicolas Maduro sprach sich bereits für eine Verlängerung aus. (dpa)

Caracas (dpa) l Blutiger Machtkampf im Land mit den größten Ölreserven der Welt: Bei Demonstrationen gegen eine drohende Diktatur sind in Venezuela am Mittwoch mindestens drei Menschen getötet worden. Ein 17-jähriger Wirtschafts-Student wurde in der Hauptstadt Caracas von einem Schuss in den Kopf getroffen und starb im Krankenhaus. In San Cristóbal kam eine 23-jährige Frau ebenfalls durch einen Kopfschuss ums Leben. Darüber hinaus starb ein Mitglied der Nationalgarde, wie die Zeitung „El Nacional“ berichtete. Die Regierung machte Demonstranten der Opposition für die Tötung verantwortlich.

Seit Ausbruch der Proteste starben neun Menschen. Zudem kam es allein am Mittwoch zu über 400 Festnahmen. Der sozialistische Präsident Nicolás Maduro hatte als Antwort auf die Proteste angekündigt, dass die 500.000 Mitglieder der Nationalen Miliz mit Gewehren ausgerüstet werden. Die Reservistentruppe war nach dem Putschversuch 2002 gegen Staatschef Hugo Chávez aufgestellt worden. Das Militär ist in Alarmbereitschaft.

„Wenn heute Millionen auf die Straßen gegangen sind, müssen morgen noch mehr rausgehen“, kündigte Oppositionsführer Henrique Capriles weitere Massenkundgebungen an. Laut einer Einschätzung des der Opposition nahestehenden Umfrageinstituts Meganalisis sollen am Mittwoch in Venezuela bis zu sechs Millionen Menschen demonstriert haben. Die Opposition machte gewaltbereite Milizen der Sozialisten für die Angriffe verantwortlich, die auf Motorrädern immer wieder Angst und Schrecken unter den Demonstranten verbreiten.

Seit 1999 wird das Land von den Sozialisten regiert und ist trotz der großen Ölvorkommen in seine bisher schlimmste Versorgungskrise geschlittert. Die Inflation beträgt mehr als 700 Prozent und ist die höchste der Welt. Die Polizei setzte in Caracas massiv Tränengas ein, um Demonstranten auseinanderzutreiben, während Zehntausende Anhänger von Maduro in roten Hemden im Zentrum der Stadt unbehelligt den vierten Jahrestag seiner Präsidentschaft feierten.

Neuwahl-Forderung

Die Opposition fordert Neuwahlen und macht Präsident Maduro für die schwere politische und ökonomische Krise verantwortlich. Auslöser der seit Anfang April andauernden Proteste war die zeitweise Entmachtung des Parlaments durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs. Maduro warf der Opposition den Einsatz von Gewalt vor und sprach von einer „Konspiration“. Er beschuldigt die Opposition, zusammen mit dem Ausland eine Intervention zum Sturz der Regierung vorzubereiten.

Flucht nach Brasilien

Über der Route der Demons-tranten lagen in Caracas Tränengaswolken. Maduro, Nachfolger des 2013 gestorbenen Chávez, war am Mittwoch exakt vier Jahre im Amt. Wegen der Krise und der zunehmenden Gewalt haben zuletzt Tausende Menschen das Land verlassen und flüchteten vor allem ins Nachbarland Brasilien. Im Parlament hat das Oppositionsbündnis „Mesa de la Unidad Democrática“ aus konservativen, liberalen, sozialdemokratischen und indigenen Parteien eine deutliche Mehrheit, ist aber politisch wirkungslos. Der von den Sozialisten dominierte Oberste Gerichtshof hob immer wieder Entscheidungen auf – und Maduro versucht, mit Dekreten am Parlament vorbeizuregieren.

Das Land steht nach 18 Jahren sozialistischer Regierung vor dem Bankrott und muss fast monatlich mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen. Deshalb und wegen der hohen Inflation können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden, die in Euro oder Dollar zu bezahlen sind.