CBBS

Seit 2007 steht im Magdeburger Center for Behavioral Brain Sciences (CBBS) das Gehirn im Mittelpunkt. Die Wissenschaftler untersuchen interdisziplinär Lern- und Gedächtnisprozesse. Im Fokus steht neben Erkenntnissen über das Lernen auch die Erforschung und Behandlung von neurobiologischen Erkrankungen wie Depressionen, ADHS oder Parkinson.

Das CBBS wird von der Universität und vom Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg getragen. Auch Forscher vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) sind beteiligt. (ba)

Magdeburg l Der Kopf ist schuld. Unser Gehirn analysiert, zieht Schlüsse und steuert unser Verhalten. Seit 2007 nehmen Forscher in Magdeburg das komplexe System aus Nervenzellen und Synapsen in einem fächer-übergreifenden Verbund unter die Lupe: Im Center for Behavioral Brain Sciences (CBBS) untersuchen Wissenschaftler die Geheimnisse des Lernens und entwickeln Therapien für Patienten, die von neurologischen Krankheiten betroffen sind.

Alle unter einem Dach

„In dem Forschungsverbund gehen alle Neurowissenschaftler dem einen großen Thema nach“, sagt Hans-Jochen Heinze, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie. „Wir erforschen das Verhalten und seine neurobiologischen Grundlagen. Auf dem Weg dahin werden Synergien und Ressourcen gemeinsam genutzt.“ Mehr als 80 Forscher – Neurowissenschaftler, Molekular- und Zellbiologen, Psychologen und Biomediziner, aber auch Ingenieure sowie Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler – arbeiten unter dem Dach des CBBS zusammen.

Getragen wird das Forschungszentrum von der Otto-von-Guericke-Universität, vom Leibniz-Institut für Neurobiologie und vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Am heutigen Mittwochmorgen wird das CBBS weiter gestärkt: Von der Leibniz-Gemeinschaft wird das Projekt als Science-Campus gefördert. Mit 800.000 Euro in vier Jahren sollen vor allem junge Nachwuchswissenschaftler unterstützt werden.

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Fortschritt bei Therapien

Von den Erkenntnissen aus Magdeburg könnten viele Menschen profitieren. „Wir suchen nach Wegen, die uns das Lernen erleichtern. Dafür erforschen wir, was beim Lernen im Gehirn geschieht. Die Motivation spielt eine entscheidende Rolle“, erklärt Tömme Nosselt, der an der Universität den Lehrstuhl für Biologische Psychologie leitet. Ihre Resultate überführen die Forscher in pädagogische Konzepte, aber auch in medizinische Therapien.

Denn das Gehirn spielt bei vielen Erkrankungen eine zen- trale Rolle. Es kann nicht nur selbst erkranken, sondern wird auch von Krankheiten beeinflusst und kann auf den Heilungsprozess einwirken. Patienten trainieren beispielsweise nach einem Schlaganfall mit einer Kappe, die Gehirnströme misst, und erlangen so einen Teil ihrer Fähigkeiten zurück. Dabei steuert der Patient durch seine Hirnaktivität eine elektrische Prothese, die seine Hand hebt. Durch kontinuierliches Feedback-Training mit dem Gerät kann er die gestörten Nerveninteraktionen zwischen Hand und Gehirn wesentlich verbessern.

Auch für Menschen, die an Depressionen, ADHS oder Parkinson erkrankt sind, können Erkenntnisse über die neurobiologischen Ursachen ihrer Krankheit ein Schlüssel zu besseren Behandlungsmöglichkeiten sein. Parkinson etwa entsteht, wenn Nervenzellen im Gehirn absterben, die den Botenstoff Dopamin ausschütten. Erkrankte Patienten können ihre Körperbewegungen nur schwer kontrollieren. Erste Ergebnisse der Magdeburger Forscher zeigen, dass mittels tiefer Hirnstimulation sowohl motorische als auch mentale Fähigkeiten verbessert werden können.

Medizintechnik im Fokus

Dabei helfen Geräte. „Die Entwicklung von Medizintechnik ist eines der Kennzeichen des CBBS“, sagt Hans-Jochen Heinze. Die Mitglieder des Forschungsverbundes kommunizieren eng miteinander, tauschen sich aus. Ingenieure kommen dazu, wenn es darum geht, Roboter oder Prothesen zu entwickeln, die Patienten bei der Genesung unterstützen. Dieser Aspekt ist besonders für das Land Sachsen-Anhalt von Bedeutung. 6000 Menschen arbeiten nach einer Schätzung des Wirtschaftsministeriums landesweit in der Medizintechnik-Branche. Der Wirtschaftszweig gehört zu einem der Leitmärkte, von denen sich das Land Wachstum verspricht. Im Herbst des vergangenen Jahres ist das Cluster „Medizintechnik“ gegründet worden. Ein Ziel des Netzwerks ist es, aus Forschungsergebnissen schneller marktfähige Produkte und Dienstleistungen zu machen.

Hans-Jochen Heinze ist mit seiner Kappe, die Schlaganfall-Patienten bei der Therapie unterstützt, auf einem guten Weg. Nach einem Feldversuch soll das Gerät in Sachsen-Anhalt hergestellt werden. Das amerikanische Unternehmen Nielsen hat seine Unterstützung dabei bereits zugesagt.