Die Preisträger

Seit 25 Jahren vergibt das Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt den Hugo-Junkers-Preis an zukunftsweisende Unternehmen und Wissenschaftler aus der Region. Das sind die diesjährigen weiteren Gewinner:

Nanostrukturierte Thermoelektrika sind spezielle Materialien, die Abwärme kontinuierlich, flexibel und emissionsfrei in elektrische Energie umwandeln können. Zum Beispiel kann die Abwärme von Automobilabgasen direkt in elektrische Energie für die Bord- elektronik umgesetzt werden. Forscher der Universität Halle und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik haben eine computergestützte Methode entwickelt, die es ermöglicht, Eigenschaften und Effektivität dieser Materialien zu analysieren. Die Wissenschaftler sind für ihre Arbeit mit dem ersten Preis in der Kategorie „Grundlagenforschung“ ausgezeichnet worden.

Das Trockenelektroden-Headset Fourier One kann neurologische Patientendaten zu Hause erfassen und an den behandelnden Arzt übermitteln. Seit mehr als zwei Jahren testen die Mediziner um Hans-Jochen Heinze das Gerät bei ihren Patienten. „Unser Ansatz ist es, Teile der Diagnostik und der Überwachung von Risikopatienten aus den kostenintensiven Krankenhäusern nach Hause zu verlagern“, erklärt Heinze, Leiter der Universitätsklinik für Neurologie in Magdeburg. Zusammen mit der Firma Nielsen sind die Mediziner in der Kategorie „Angewandte Forschung“ prämiert worden.

Der Werkzeugkonstrukteur Gehring aus Naumburg hat eine Maschine entwickelt, die erstmals die Anfertigung von Zylinderbohrungen für Motoren in einem Gerät möglich macht. „Kürzere Bearbeitungszeiten, geringere Kosten und eine bessere Qualität sprechen für diese Entwicklung,“ heißt es in der Jury-Begründung. Bisher ist die Produktion von thermisch gespritzten Zylinderbohrungen sehr aufwendig gewesen. Gehring gewinnt in der Kategorie „Produktentwicklung“.

Mikroelektronische Bauteile ermöglichen nicht nur Computer, sondern helfen auch, Autos, Flugzeuge oder medizinische Geräte zu steuern. Die Elemente enthalten oft mehrere gestapelte Halbleiter-Chips mit jeweils Milliarden von Einzeltransistoren. Kommt es zu Fehlfunktionen, muss die fehlerhafte Einzelkomponente identifiziert werden. Eine Allianz aus Forschern des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik in Halle und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik hat ein Diagnoseverfahren entwickelt, das Fehlerstellen erkennt und mikrometergenau zuordnen kann. Sie werden in der Kategorie „Allianz“ ausgezeichnet. Weltweit führende Halbleiter-Hersteller wie Intel, Hynix, Toshiba, AMD und Infineon haben das Verfahren bereits im Einsatz. (ba)

Magdeburg l Die Wissenschaftler von der Pilotanlage Pflanzenöl-Technologie Magdeburg (PPM) sind für das Verfahren am Dienstagabend in Merseburg mit dem Hugo-Junkers-Preis in der Kategorie „Chemie und Bioökonomie“ ausgezeichnet worden. Den Wissenschaftlern ist es gelungen, einzelne Proteine aus der Rapssaat zu isolieren: Erstmals können die Eiweiße Napin und Cruceferin in hoher Reinheit gewonnen werden. Bislang ist die Auftrennung der einzelnen Proteine nicht möglich gewesen. „Wir wenden das Verfahren bei uns in der Pilotanlage an und verkaufen die Eiweiße über einen Online-Händler, der Labor-Produkte anbietet“, erklärt Frank Pudel, Geschäftsführer der PPM.

Nach dem aufwendigen Prozess bestehen die Proteine in Form von weißem Pulver. In der Nahrungsmittel-Industrie können die Moleküle etwa als Ersatzstoff für tierische Eiweiße eingesetzt werden. „Die Speicherproteine haben eine Wirkung, die Menschen satt macht“, sagt Pudel. Doch den Magdeburger Forschern schwebt weit mehr vor als die Nutzung als Nahrungsmittel. Die Proteine könnten auch als Bindemittel für Unternehmen aus der Biochemie, Pharmazie und Kosmetik interessant sein. „Das Verfahren ist teuer. Die Proteine einfach nur als Füllstoff einzusetzen, wäre Verschwendung“, sagt Pudel.

PPM will Patent verkaufen

Der 59-Jährige und seine Kollegen produzieren die Eiweiße derzeit noch im Labor-Maßstab. Wann es tatsächlich zu einer industriellen Verwendung der Proteine kommt, ist nicht abzusehen. Die PPM hält das Patent an dem Verfahren, will das Know-How an den Meistbietenden verkaufen. „Wir befinden uns in Verhandlungen mit einem internationalen Konzern“, sagt Pudel. Mit weiteren Details hält er sich bislang noch zurück.

Die Methode zur Produktion der hochreinen Proteine ist für Pudel allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Er geht davon aus, dass der Markt für die isolierten Eiweiße gerade einmal fünf Prozent der Rapsprotein-Herstellung umfassen wird. Den Hauptumsatz werden die Allround-Rapsproteine ausmachen – also ein Gemisch aus den beiden Eiweißen Napin und Cruceferin. Das sei auch eine Kostenfrage. Pudel: „Ein normales Raps-Misch-Protein wird etwa bei drei bis fünf Euro pro Kilogramm liegen.“ Die hochreinen Moleküle könnten sogar zwischen 50 und 100 Euro je Kilogramm einbringen, schätzt der Forscher.

1,5 Millionen Euro Budget

Pudel ist ehrgeizig. Die Produktion der einfachen Raps-Eiweiße will er am liebsten in der Magdeburger Region halten. An der Ölmühle in Kroppenstedt könnte bis 2017 eine Demoanlage aufgebaut werden, um größere Mengen der Rapsproteine produzieren zu können. „So könnten wir der Industrie zeigen, dass das Verfahren funktioniert. Unser Plan ist außerdem, Unternehmen Produktmuster zur Verfügung zu stellen – zum Testen und zur Entwicklung von neuen Produkten“, erklärt Pudel.

Der Verfahrenstechniker ist seit Gründung der PPM im Jahre 1993 dabei. Ein Jahr später wurde Pudel auch der Geschäftsführer des wissenschaftlichen Instituts. 20 Mitarbeiter werben jährlich gemeinsam mit Industriepartnern aus dem In- und Ausland rund 1,5 Millionen Euro Forschungsbudget ein. „Wir sind keine Schreibtischtäter, sondern Praktiker. Das schätzt die Industrie“, sagt Pudel. Die PPM in Magdeburg ist deutschlandweit die einzige Versuchsanlage zur Gewinnung und Verarbeitung von Pflanzenölen und –proteinen im Pilotmaßstab.