Halle l Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat die Wanderungsbewegungen von ostdeutschen Beschäftigten untersucht. Die Wissenschaftler haben dabei ermittelt, dass von den rund 62 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die zwischen 1999 und 2012 aus Sachsen-Anhalt abgewandert sind, nur 14,2 Prozent zurückkehrten. Thüringen verzeichnete die beste Quote mit 15,9 Prozent.

Kay Senius, Regionalchef der Bundesagentur für Arbeit in Halle, bewertet das niedrige Ergebnis dennoch nicht allzu negativ: „Die Rückkehrerquote, auch wenn sie gering erscheint, zeigt, dass sich der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt positiv entwickelt.“

Die Entscheidung, zurückzukehren, würden viele davon abhängig machen, ob sich ihnen Chancen auf eine attraktive Beschäftigung und einen auskömmlichen Verdienst bieten. Nach Jahren des Strukturwandels seien die Unternehmen in Sachsen-Anhalt inzwischen wieder in der Lage, Rückkehrwilligen entsprechende Perspektiven zu eröffnen – auch wenn, insbesondere mit Blick auf die Entwicklung der Löhne, noch Luft nach oben bestehe.

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In der Vergangenheit abgewandert sind vor allem junge Facharbeiter mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Sie stellen gleichzeitig bei der Gruppe der Rückwanderer den größten Anteil. Hochqualifizierte mit Hochschulabschluss sind sowohl bei den Ab- als auch bei den Zuwanderern eher in der Minderheit. Mit Blick auf die Geschlechter verdeutlicht die IAB-Untersuchung, dass vor allem Männer weg- und wieder zugezogen sind. Frauen, die dem Land den Rücken gekehrt haben, bleiben in der Regel ihrer neuen Heimat auf Dauer verbunden.

Regional betrachtet zeichnen sich unterschiedliche Wanderbewegungen ab. Relativ hohe Beschäftigtenverluste hatten in den vergangenen Jahren Halle und Dessau zu verzeichnen. Nur die wenigsten sind in die beiden Städte wieder zurückgekehrt. Die beste Entwicklung hat in Sachsen-Anhalt der Landkreis Börde genommen. Der Kreis hat eine relativ niedrige Abwanderungsquote und einen relativ hohen Anteil an Rückkehrern.

Eine Rolle spielt hier die Nähe zur niedersächsischen Automobilindustrie. Wer in Wolfsburg einen Job fand, musste nicht extra umziehen, konnte pendeln. Der stetige Ausbau der Verkehrsinfrastruktur begünstigte den Trend. Und obendrein hat sich die Wirtschaft in der Börde über die Jahre positiv entwickelt.

Relativ erfolgreich haben sich auch der Saale- und der Burgenlandkreis entwickelt. Hier sind es die erfolgreiche Entwicklung der Chemieindustrie sowie die wachsende Automobilindustrie im benachbarten Sachsen, die Abwanderungstendenzen abmildern konnten.

Für BA-Regionalchef Senius ist auch klar, dass es nicht reichen wird, Abwanderer zur Rückkehr zu bewegen, um den Fachkräftemangel zu lindern. „Selbst wenn sich die Rückkehr-Quoten leicht erhöhen würden, wären sie nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Um die Personallücke von etwa 80 000 bis zum Jahr 2020 zu schließen, müssten Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte stärker gefördert und Zuwanderer aus anderen Ländern angelockt werden. Senius betont aber: „Trotzdem ist jede Steigerung der Zahl der Rückkehrer eine positive Nachricht fürs Land.“